Namibia- Astronomie
Der Sternenhimmel über Namibia zählt zu den klarsten
und schönsten der Welt. Wer ihn einmal gesehen hat, ist berauscht,
dem Dasein für eine Zeit lang entrückt. Sternengebilde
wie die Milchstraße, das Kreuz des Südens oder der
Steinbock funkeln in der Dunkelheit der Namib ganz besonders hell.
Nachts, wenn man im Schlafsack auf Träume wartet, hüllt
der namibische Himmel den Reisenden in seine Sternendecke ein.
Wie kleine Lagerfeuer flackern die Sterne am Himmel, bewacht vom
guten, alten Mond. Sie wärmen die Seele derer, die sich Zeit
nehmen, empor zu schauen.
Der Himmel über Namibia - Unergründlich ewig
In ihrer ganzer Ausdehnung, als ob mit leuchtenden Pflastersteinen
belegt, zeigt sich die Milchstraße greifbar nahe. Das
Rückgrat der Nacht, so nennt sie der !Kung-Buschmann
von der Kalahari-Wüste. Mit ihren 100 Milliarden Sternen
glitzert und blinkt sie am namibischen Himmel. Ein spektakuläres
Lichtspiel funkelnder Gestirne.
Da die Atmosphäre in Namibia rein ist und künstliche
Lichtquellen in der Wüste nicht vorhanden sind, ist der Blick
frei bis hoch hinauf ins nächtliche Firmament. Mit dem bloßen
Auge lassen sich Sterne bis zur siebten Größenordnung
erspähen. In einer einzigen Nacht sind bis zu zehn Tierkreiszeichen
zu entdecken. Sie stehen fast senkrecht zum Horizont. Am frühen
Abend sind da z. B. Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe
und Jungfrau zu sehen. Ungefähr alle zwei Stunden kommt ein
neues Tierkreiszeichen hinzu, bis kurz vor Sonnenaufgang auch
noch Waage, Skorpion, Schütze und Steinbock zu erkennen sind.
Der Wendekreis des Steinbocks, der 23. südliche Breitengrad,
verläuft etwa 90 km südlich der Hauptstadt Windhoek.
Weil hier die Sonne ihre scheinbare Bewegungsrichtung umkehrt,
kann der Betrachter, wenn er den Wendekreis des Steinbocks überquert
hat, die Sonne nie im Süden stehen sehen.
Das majestätische Sternbild des Skorpions, das in
der nördlichen Hemisphäre nie in seiner vollen Größe
erkennbar ist, kann in Namibia meist am Ende des Jahres am Himmel
bewundert werden. Er erscheint wie ein großes S.
Weil in Namibia kein großer Übergang zwischen
Tag und Nacht besteht - die Dämmerung ist äußerst
kurz - ist eine Sternbeobachtung von unmittelbar nach Sonnenuntergang
bis Sonnenaufgang möglich.
Viele Besucher beim ersten Anblick des namibischen
Firmaments zunächst ein bisschen verwirrt. Der Grund:
die Sterne scheinen auf dem Kopf zu stehen.
Der Betrachter hat den Eindruck, als würde sich die ganze
Halbkugel des Himmels über ihm drehen. Hat der Große
Wagen am Nordhimmel seinen höchsten Stand erreicht, wirkt
er wie umgestürzt, die Deichsel zeigt nach oben. Vollendet
gezeichnet steht der Orion senkrecht am Himmelszelt. Der mächtige
Jäger und Gegner des Skorpions scheint im September um Mitternacht
ganz besonders hell. Auch im Oktober, gegen 22 Uhr, ist er gut
zu sehen.
Den Sirius, auch Hundestern oder Canus
Major genannt, findet man unter Orion. Er ist zu dieser
Zeit viel näher am Horizont auszumachen. Spät in der
Nacht, in der südlichen Hemisphäre, ist Pegasus in seiner
vollen Größe zu erkennen. Wie ein Quadrat mit Greifarmen
hat das geflügelte Pferd ein paar Beine, die den Beobachter
zu Andromeda führen, der einzigen Galaxie neben der Milchstraße,
die mit bloßem Auge zu erkennen ist.
Wie sorgfältig befestigte große Leuchtkugeln
hängen Saturn, Uranus, Mars und Venus am tintenschwarzen
Nachthimmel. Eine seltene Konstellation ergab sich im Juni 1991:
Venus, Mars und Jupiter trafen sich im Krebs zum Rendezvous.
Mit bloßem Auge sind am Südhimmel auch viele
Messierobjekte zu erkennen. Sie wurden von dem französischen
Astronomen Charles Messier (1730 - 1817) entdeckt: Kugelsternhaufen,
Nebel und Galaxien wie Herkules und Omega. Die Milchstraße
wird von zwei unregelmäßigen Satellitengalaxien, den
Magellanschen Wolken begleitet, benannt nach dem Seefahrer
Ferdinand Magellan. Beide gehen am namibischen Nachthimmel nie
unter. Die größere Wolke enthält etwa fünf
Milliarden Sterne und ist 160 000 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die zweite ist noch weiter entfernt, nämlich 180 000 Lichtjahre.
Sie zählt rund zwei Milliarden Sterne.
Will man am frühen Abend den namibischen Himmelsdom
erobern, sind die Sternbilder leicht zu erkennen, wenn man sich
zuerst auf die besonders leuchtenden Planeten konzentriert. Im
Winkel von ca. 30 Grad steht z.B. ein ansehnlich heller Stern.
Es ist der Regulus in der sichelartigen Konstellation des Löwen.
Als nächster, außergewöhnlich glühender Stern
zeigt sich der Jupiter im Krebs. Und die Venus, auch Morgen- und
Abendstern genannt, schaut als strahlendstes aller Gestirne von
dort oben herab. Kein Wunder, ist sie doch der Erde näher
als jeder andere Planet. Trotzdem ist dieses Gestirn immerhin
noch 38 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Mit einem Abstand
von 108,2 Millionen Kilometern bewegt sich die Venus um die Sonne.
Die blendende Venus wird auch als Zwillingsschwester der
Erde beschrieben, weil ihr Durchmesser mit 12 100 km fast
so groß wie der der Erde (12 756 km) ist. Zwar strahlt der
Mars weniger funkelnd, dafür aber in sanftem Rot.
Sind diese großen Himmelskörper geortet, ist
es einfacher, den Fuhrmann zu finden oder die Taube, den Großen
und den Kleinen Hund, den Becher, den Großen Fluss, vielleicht
gar die Wasserschlange, das Einhorn, den Hasen oder den Großen
Bären.
Und vom namibischen Himmel hoch, da kam er her, der Welt schwerste
Meteorit Hoba (70 t), nach der Farm benannt, auf dessen
Gebiet er fiel.
Der Himmel über Namibia - sein überwältigender
Maßstab hat sich auch auf das Land übertragen:
Unergründlich ewig wie die Wüste - Sterne über der Namib
Impressionen eines Astronomen
Vor einigen Jahren schlief ich eines Nachts unter dem
hellen Sternenhimmel der Namib - und plötzlich sah ich mit
bloßem Auge Omega Centauri. Diesen Stern hatte ich nicht
einmal als Anfänger unter den Astronomen mit meinem ersten
Teleskop von der Großstadt aus aufspüren können.
Es war eine der schönsten Nächte meines Lebens.
Das Zentaur-Sternenbild ist aus zwei Gründen wichtig:
Erstens ist der hellste Stern im Zentaur, Alpha Centauri, unserem
Sonnensystem am nächsten - etwa 4,3 Lichtjahre von uns entfernt.
(Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr
zurücklegt. Licht bewegt sich mit 300 000 Km pro Sekunde.
Ein Lichtjahr ist also 300 000 x 60 x 60 x 24 x 365 Km.)
Gut, Alpha Centauri ist dieser besondere Stern - der uns
nächste blühende Nachbar - der nur von der südlichen
Halbkugel aus sichtbar ist. Wenn man nun durch ein kleines Teleskop
nach ihm schaut, wird man sehen, dass es eigentlich ein doppelter
Stern ist. Beide drehen sich in 72 Jahren umeinander. Betrachtet
man Alpha Centauri durch ein größeres Teleskop, dann
sind es plötzlich drei Sterne, die sich umeinander drehen:
zwei große und ein kleinerer. Der Stern, der immer unserem
Sonnensystem am nächsten ist, heißt Proxima Centauri.
Alpha und Beta Centauri werden im allgemeinen die Zeiger
am Kreuz des Südens genannt, da sie in einer Linie mit der
oberen Spitze des Kreuzes zu finden sind. Sie sind zwei besonders
helle Sterne, die zusammen mit dem Kreuz eine sehr eindrucksvolle
Einheit bilden. Kein Sternengebilde wird übrigens so oft
dargestellt und besungen wie das Kreuz des Südens .
Und schon für die Kamelkarawanen war es der Kompass durch
die Wüste. Doch das nur nebenbei.
Omega Centauri ist der dunkelste der Zentaur-Sterne - nur
ein kleiner Lichtfleck, der jedoch aus über einer Million
Sternen besteht, die gemeinsam ein geschlossenes Bündel von
Sternen bilden; etwa 16 500 Lichtjahre von uns entfernt. Und es
war genau dieser Omega Centauri, den ich von Johannesburg aus
mit meinem Teleskop suchte und wochenlang nicht finden konnte.
Zuletzt entwickelte ich sogar ein Misstrauen gegenüber dem
Teleskop. Wie konnte ich ahnen, dass die Stadtlichter und der
Dunst einen Sternengucker in solchem Maße behindern könnten.
Das konnte ich nur in den Weiten der Namib erfahren. Und in dieser
Nacht habe ich für immer gelernt, dass die Sterne die weißen
Nachtblumen der Wüste sind.
Ein berühmter Astronom sagte einst, dass, wenn die
Sterne nur eine Nacht pro Jahr scheinen würden, die ganze
Erdbevölkerung in jener Nacht wach bleiben würde, um
sich dieses Schauspiel anzusehen. Da jedoch jede Nacht Sterne
scheinen, gibt es auch viele Menschen, die ein Leben lang kaum
einmal richtig zum Nachthimmel schauen.
In der Nacht, als ich mit bloßem Auge Alpha Centauri
sah, habe ich mit Schock plötzlich gewusst, wie blind der
Mensch durchs Leben geht. Ich wachte auf, es muss irgendwann nach
Mitternacht gewesen sein, setzte meine Brille auf und sah mir
den südlichen Teil der Milchstraße an. Es kam mir vor,
als wären die Sterne ganz nah. Es war ein Winterhimmel, kalt
und sauber. Die Sterne standen still wie Eis, wie
es ein großer Dichter einmal nannte. Ich sah die vier großen
Sterne des Kreuz des Südens: Alpha, Beta, Gamma, Delta
Crucis. Ich sah Alpha und Beta Centauri. Und dann maß ich
mit dem Auge die Winkel hin zu einem Punkt, von dem ich wusste,
daß dort Omega Centauri sein müsste und wo ich ihn
mit dem Teleskop nicht gefunden hatte. Tatsächlich: da war
er ! So einfach anzuschauen, so leicht zu finden. Was ich brauchte,
war kein Teleskop und kein Sternenatlas. Mir fehlte nur die Namib
mit ihrer reinen trockenen Luft.....
Den Sternen nah - Beobachtungen am Gamsberg
Plateau
Meist wolkenlosen Nächte, eine unverschmutzte Atmosphäre,
nur geringe Feuchtigkeit und tiefschwarze Nächte: Das 2 350
m hohe Gamsberg-Plateau ist neben der Namib-Wüste der ideale
Ort zur Sternenbeobachtung! Zahlreiche Institutionen unterhielten
daher über
viele Jahre hinweg ein Teleskop auf dem Plateau. 1970 hat das
deutsche Max- Planck-Gesellschaft in Heidelberg ein kleines Observatorium
für experimentelle Zwecke errichtet. Das Institut plante
damals sogar ein noch größeres Observatorium
auf dem Gamsberg zu errichten. Dieser Plan wurde jedoch wieder
verworfen.
Die Internationale Amateur Sternwarte ( IAS ) hat
von der Max-Planck-Gesellschaft die
Nutzungsrechte der noch vorhandenen Anlagen auf dem Gamsberg erhalten,
um dort
Beobachtungsmöglichkeiten für Amateurastronomen zu schaffen.
Aufgrund der meist sternenklaren Nächte besteht in Namibia
seit langem die traditionelle Arbeitsgemeinschaft Astronomical
Work Group .
Denn nirgendwo kommt man den Sternen näher als in Namibia.
Wichtige Adressen
Weitere Informationen erhalten Astro-Amateure und Sternenfreunde
bei
Internationale Amateur-Sternwarte - IAS
Geschäftsstelle K.-L. Bath, Geranienstr. 2
D-79312 Emmendingen. Tel. & Fax: +49 (0)7641 3492
E-Mail: ias@epost.de, Website: www.ias.webwide.deC. Hoffmeister Memorial Observatory
c/o Sonja Itting - Enke
P.O. Box 5198 Windhoek
Tel. / Fax. 061/ 23 8982
Namibia Scientific Society
P.O. Box 67 Windhoek
Tel. 061/ 22 5372 Fax. 22 6846
Scientific Society of Swakopmund
Sam Cohen Library
P.O. Box 361 Swakopmund
Tel. 064/ 402695
Folgende Unterkünfte bieten Sternenbeobachtung für
Ihre Gäste:
Hakos Gästefarm
P.O. Box 5056, Windhoek
Tel. & Fax: 062/572111
E-Mail: hakos@mweb.com.na, Website: www.natron.net/tour/hakos.
Seit der Eröffnung unserer Farm als Gästefarm haben
wir schwerpunktmäßig
Amateur-Astronomen zu Gast. Wir können diesen Gästen
eine kleine Sternwarte
mit Teleskop sowie separate Säulen zum Aufstellen eigener
Teleskope anbieten.
Unsere Farm liegt nur wenige km vom Gamsberg entfernt. Auf das
Plateau des
Gamsberges bieten wir Touren an. Weitere Informationen zu unserer
Farm bitten
wir Sie, dem Internet zu entnehmen.
Herausgeber und Copyright