Namibia ist ein sehr dünn besiedeltes Land. Nur rd. 1,5 Millionen Menschen leben in dem 824.292 km² großen Staat. Um so faszinierender die große Ethnienvielfalt des Landes: Herero, Himba, Nama, Owambo, Kavango, San, Damara sowie die Namibier europäischer Herkunft gehören dazu. Zwar hat die Kolonialzeit und speziell die Ära, in der Namibia unter südafrikanischer Verwaltung stand, ihre Spuren hinterlassen. Doch dieses bunte Völkergemisch lebt heute harmonisch neben- und miteinander. Die Vielfalt der Sprachen und Kulturen Namibias wird immer wieder mit einem farbenfroh geknüpften Teppich verglichen, dessen Fransen über die Landesgrenzen hinaus in die Nachbarländer reichen.
Die ersten Spuren von Menschen im heutigen Namibia gehen bis in die Steinzeit zurück. Zahlreiche, z. T. bis zu 28 000 Jahre alte Felsgravuren und -malereien zeugen von diesen als Jäger und Sammler lebenden Ureinwohnern. Zu ihnen gehörten der Wissenschaft zufolge die San - auch Buschmänner genannt - und die Damara. Später erst wanderten Nama, viehzüchtende Herero und seßhafte Owambo-Bauern zu. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Missionare und Farmer aus Europa. Einen Eindruck von ursprünglicher Lebensart vermitteln noch heute die Himba im Kaokoveld im nordwestlichen Teil des Landes.
Insgesamt leben heute 12 Bevölkerungsgruppen in Namibia: ein Kaleidoskop verschiedener Sprachen, Kulturen und Lebensweisen.
Allgemein akzeptiert wird die These, dass die San, oder auch Buschmänner, die wahren Ureinwohner des südlichen Afrika sind. Jahrhunderte lang konnten sie ein ungestörtes Leben als Jäger und Sammler führen. Niemand unter ihnen erhob einen Führungsanspruch, und es gab keine Stammesfehden. Bis die ersten Neuankömmlinge und frühen Siedler - afrikanisch sprechende Stämme - auf sie trafen, bewohnten die Buschleute nahezu das gesamte südliche Afrika. Aufgrund einer Reihe von Gegensätzen kam es zu Auseinandersetzungen, und die Buschleute mussten den dominierenden Stämmen aus dem Norden Platz machen. Später kam die Neuaufteilung des Landes durch die Apartheid-Regelungen, die die San besonders hart traf. Weiteres Land verloren sie zwischen 1950 und 1968 durch die Umwandlung vieler traditioneller Jagdgebiete in Naturschutzgebiete. Heute leben die kleinwüchsigen San nur noch in weit entfernten, meist unzugänglichen und abgelegenen Gebieten im Osten Namibias und in der Kalahari-Wüste in Botswana. Oft haben sie alle Rechte auf Zugang zu den Schätzen der Natur aufgeben müssen. Sie sind heute vorwiegend nur noch billige Arbeitskräfte oder entwurzelte Einzelpersonen, die bisweilen hilfsbedürftige Gemeinschaften bilden und zum Überleben auf Sozialleistungen der Regierung angewiesen sind.
Die Buschmänner werden in drei Gruppen unterteilt: Die Haixom, die den nördlichen Distrikt von Otavi, Tsumeb und Grootfontein bewohnen, die Ogu (!Kung) des Buschmannslands und die Mbarankwengo im westlichen Caprivi-Zipfel. Vernünftig, bedachtsam und schlau mussten sie sein, um überleben zu können. Bedachtsam vor allen Dingen, um ihrem Lebensbereich keinen Schaden zuzufügen. Und so gilt noch heute: Wo ein Buschmann gewesen ist, bleiben keine Narben zurück.
Ein kleiner Teil der San lebt auch heute noch in traditionell nomadischer Weise: Die Frauen kümmern sich um das Essen, während die Männer auf die Jagd gehen. meist mit Pfeil und Bogen. Wasser ist die Lebensgrundlage der San, doch besitzen sie die Fähigkeit auch in der denkbar existenzfeindlichsten Umgebung zu überleben. Tagelang können sie problemlos auf Kost verzichten und benötigen nur ein Minimum an Wasser. Ausgerüstet mit einem Grabstock und Pfeil und Bogen sind sie in der Lage, sich mit allen lebensnotwendigen Dingen zu versorgen. Die Buschleute haben eine großes Wissen und eine natürliche Begabung, die Fauna und Flora für sich zu nutzen. Aus zahlreichen Pflanzen wird z. B. wirksame Medizin hergestellt. Die täglichen Mahlzeiten bestehen aus Straußeneiern, wilden Früchten, Beeren, Wurzeln, Nüssen, Eidechsen und Heuschrecken. Buschleute teilen alles unter den Familien auf, denn teilen heißt überleben. Zahlreiche Felsgravuren- und Malereien zeugen noch heute von der alten Lebensweise dieses Stammes. Die berühmtesten Beispiele dafür sind die Weiße Frau , eine Malerei am Brandberg, und die Felsgravuren von Twyfelfontein.
Viele Buschleute haben heute leider nicht mehr die Möglichkeit, an ihren alten Traditionen festzuhalten. Sie haben gelernt sich anzupassen, da der größte Teil Namibias kommerziell als Farmland genutzt wird und auch im Norden das Land knapp wird. Viele haben bereits unter Armut und Arbeitslosigkeit zu leiden. Es gibt jedoch bereits einige Projekte, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Buschleute wieder zu ihrer Menschenwürde und ihrem Stolz zurückfinden zu lassen.
Auch der Tourismus könnte dabei eine wichtige Rolle spielen: Reisende, die das Angebot der landesweiten Initiative des Community Based Tourism nutzen, helfen, die Lebensumstände der Buschleute zu verbessern. Die San teilen mit den Besuchern ihre Kenntnisse von der Natur und können so wieder verstärkt ihre Traditionen leben. So sind z.B. Gäste in der Stiftung Ombili, 70 km nördlich von Tsumeb, willkommen. (Anmeldung: Tel. 0678 Vermittler um App. 13203 Beate Mais-Rische bitten). Muramba bushmen Trails, P.O. Box 689, Tsumeb, Tel 067/
Auch das Intu Afrika Kalahari Game Reserve inmitten einer wunderschönen Wüstenlandschaft stellt ein beispielhaftes Projekt des Ökotourismus dar, das neben einer Wildvielfalt, einer reichen Vogelwelt und Unterkünften für Touristen auch ein Dorf des Khung-Stammes beheimatet . Dort werden die Buschleute Schritt für Schritt wieder zu ihrer alten Lebensweise und somit zu ihrem Stolz zurückgeführt - einer alten Kultur wird wieder Leben eingehaucht. Die Traditionen der San kann der Besucher auf diese Art hautnah miterleben.
Die Existenz dieses schwarzen, den Nama-Dialekt Khoisan sprechenden Volkes von Jägern und Sammlern hat Naturwissenschaftler für viele Jahre stark beschäftigt. Nach Ansicht vieler Ethnologen gehören sie, wie die San, zu den Ureinwohnern des heutigen Namibia. Es gibt Beweise dafür, dass die Damara über Jahrhunderte hinweg kleine Viehherden gehalten sowie den Kürbis- und Tabakanbau betrieben haben.
Ähnlich den San kannten die Damara keine Könige, Häuptlinge oder andere Anführer. Denn in ihren Augen handelte jeder Mensch, der sich über den anderen erhebt, gegen die Gruppe. Schon damals beherrschten die Damara die Kunst, Eisen und Kupfer zu schmelzen und zu Waffen und Werkzeugen zu verarbeiten. Relativ früh wurde das Volk jedoch von den Nama und den Herero unterdrückt. Immer wieder wurden die Damara von ihrem Land vertrieben. Während der Kolonialzeit sind Reservate, z.B. Otjimbingwe, Fransfontein und Sesfontein, entstanden.
Erst 1973 wurde ein Gebiet von ca. 4,7 Millionen Hektar zum Damaraland, mit Khorixas als Verwaltungshauptstadt, erklärt. In der nach der Unabhängigkeit in das Kunene- und Erongogebiet umbenannten Region lebt heute jedoch nur noch ein Viertel der 105 000 Damara. Sie haben ihre eigene Kultur fast völlig verloren. Der überwiegende Teil arbeitet auf Farmen, in Minen oder in den Städten, als Lehrer, Geistliche und Beamte. Einige Damara zählen zu den vielversprechendsten Politikern Namibias.
Ursprünglich lebten die Nama als Nomaden von Viehzucht, der Jagd und dem Sammeln von Feldfrüchten. Holländische Siedler gaben ihnen übrigens den Namen Hottentotten (die Stotterer). Sie selbst bezeichnen sich als Khoi-Khoi (wörtlich: die wahren Menschen) oder als Nama - nach ihrem Siedlungsgebiet Namaqualand, das wiederum nach einem Herrscher aus unbestimmter Vergangenheit benannt ist. Ihre Vorfahren lebten nördlich und südlich des Orange Flusses. Sie betrachteten alles Land, auf dem sie einmal gejagt hatten, als ihr eigenes, doch wurden sie kontinuierlich von weißen Farmern in andere, nördlichere Regionen verdrängt. Die Nama teilten sich im Laufe der Zeit in viele verschiedene Stämme. Mittlerweile sind fast alle der ca. 90 000 Nama sesshaft geworden. Sie leben vom Kap bis ins südliche Namibia hinein. Die Nama sind ein recht künstlerisches Volk, vor allem Musik und Poesie sind ausgeprägt. Zahlreiche Geschichten, Gedichte und Märchen sind von einer Generation zur nächsten mündlich überliefert worden. Sie handeln meist von Liebe, aber auch von Tieren, Pflanzen, Orten, Stämmen, früheren Häuptlingen und anderen berühmten historischen Persönlichkeiten.
Nama-Frauen sind geschickte Näherinnen. Ihre Stickereien und Applikationen werden heute als traditionelle Kunst angesehen. Inspiriert durch ihre tägliche Umgebung und die Lebensweise ihres Volkes bestehen Arbeiten der Nama meist aus hellen und farbigen Motiven, ausdrucksvoll und heiter. Die von den Frauen getragenen, selbstgefertigten Patchwork-Kleider sind ausnahmslos schön gestaltet. Zwei Projekte fördern und koordinieren diese Talente: ANIN, im Hoachanas-Gebiet, und Gibeon Folk Art im Dorf von Gibeon. Eine Besonderheit stellen die Teppiche und Decken aus zusammengenähten Häuten heimischer Tiere dar. Sie werden von vielen Händlern entlang der Hauptstraßen nach Süden verkauft.
Bereits vor Jahrhunderten wanderte das Hirtenvolk der Herero auf der Suche nach neuen Weidegründen aus den Savannen Ostafrikas nach Nordnamibia. Der Überlieferung nach durchquerten sie Zambia und Süd-Angola, bis sie sich um 1550 am Kunene Fluß niederließen.
Die Herero waren Halbnomaden. Sie lebten von der Rinderzucht, ergänzt durch den saisonalen Anbau von Feldfrüchten. Durch die relativ häufigen Niederschläge im Nordosten des Landes vermehrten sich die Herden so stark, dass die Herero weiter nach Süden zogen. Dort stießen sie auf die Nama, die sich von Süden aus Richtung Norden ausbreiteten. In Zentralnamibia kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Völkern. Später erwiesen sich die Herero als besonders erbitterte Gegner der deutschen Kolonialherrschaft. In der Schlacht am Waterberg wurde das Volk deswegen fast völlig vernichtet. Heute leben knapp 100 000 Herero in Namibia. Sie können in drei Gruppen unterteilt werden: Die richtigen Herero (Herero proper), die Mbanderu und die Himba.
Als die Missionarsfrauen den Hererofrauen das Schneidern beibrachten, übernahmen diese den viktorianischen Stil der damaligen Zeit und integrierten ihn in ihre Stammestracht. Und auch heute noch zeigen diese Gewänder und der Kopfschmuck der Frauen deutliche Einflüsse der damaligen Zeit. Trotz der Zerstörung durch die Kolonialkriege, der Unterdrückung ihrer Kultur, die Konfiszierung ihrer Ländereien und der Einschränkung ihrer Rechte brachten es die Herero fertig, ihre engen Familienbande, die Solidarität zu ihrem Stamm und den damit verbundenen Stolz bis heute zu erhalten. Der beste Beweis dafür ist der Maharero Day, das jährliche Herero- Fest im August, wenn die unterschiedlichen paramilitärischen Organisationen vor ihren Führern aufmarschieren und in voller Montur durch die Straßen von Okahandja ziehen.
Mit fast 800 000 Menschen sind die Owambo die weitaus größte Bevölkerungsgruppe in Namibia. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist der Norden des Landes, die relativ wasserreiche Region an der Grenze zu Angola. Sie leben hauptsächlich vom Reis- und Hirseanbau, und auf den Weiden stehen große Rinderherden. Dennoch gibt es zu wenig Arbeitsplätze, so dass viele Owambo inzwischen in die Städte abgewandert sind und in Minen und Fabriken arbeiten.
Über die Herkunft der bantusprechenden Owambo ist bisher wenig bekannt. Man geht davon aus, dass sie ab etwa 1550 aus dem Norden und Nordosten in das heutige Namibia einwanderten. Die Owambo besaßen ursprünglich eine matrilinear organisierte Gesellschaftsstruktur. Bis heute tragen die Kinder durchweg den Familiennamen der Mutter, und als Familienoberhaupt fungiert noch vielfach der Bruder der Mutter, auch wenn sich diese Struktur teilweise bereits vor der Christianisierung der Owambo aufzulösen begann. Der Ackerbau war Domäne der Frauen, die Viehzucht Sache der Männer.
Da in der fruchtbaren Ebene Nordnamibias die Rinderherden prächtig gediehen, wuchs im Laufe der Zeit die (ökonomische) Macht der Männer. Dies führte zu einer tiefgreifenden Krise im Selbstverständnis der Owambo. Die Erbfolge ging allmählich vom Onkel auf den leiblichen Vater über, und die zentrale Frage, wer für die Verbindung zu den Ahnen zuständig war, um Unglück von der Familie abzuwenden, war plötzlich zwischen dem Bruder der Frau und dem Ehemann umstritten.
In dieser Zeit des Umbruchs erschienen Ende des vorigen Jahrhunderts die ersten christlichen Missionare, deren Erfolg nicht zuletzt dem erschütterten Gesellschaftssystem der Owambo zu verdanken war.
Von den landhungrigen Kolonialherren wurde das Gebiet der Owambo aus mehreren Gründen links liegengelassen. Zum einen war das Klima der wasserreichen Ebene Europäern nicht sehr zuträglich. Malaria und Schlafkrankheit befielen die wenigen Reisenden, die das Land erkunden wollten. Zudem galt die Region als unsicher, denn die Einflusssphären der Kolonialmächte Portugal (Angola) und Großbritannien (Zambia) berührten sich hier.
Erst die Südafrikaner fanden einen Weg, das Owambo -Terrain in den Kreislauf der kolonialen Ausbeutung einzubeziehen. Der bevölkerungsreiche Norden diente ihnen als Reservoir für Arbeitskräfte, die sie vor allem für die Minen benötigten. Zehntausende von Männern wurden als Kontraktarbeiter verpflichtet, die für einen gewissen Zeitraum in Zentral- und Südnamibia arbeiten mussten. Ihre Bezahlung war durchweg so schlecht, dass sie kein Geld nach Hause schicken konnten, wo die Frauen jetzt neben ihrer traditionellen Arbeit auf dem Feld auch die Herden zu versorgen hatten. Dieses Kontraktarbeitersystem, eine abgemilderte Form der Sklaverei, ist eine der Ursachen für den Widerstand der Owambo gegen Südafrika. Und doch engagierten sie sich während der Kolonialisierung schneller in der modernen Wirtschaft als andere Stämme. Viele Owambo wurden Unternehmer und gründeten kleine Läden, Tankstellen und Supermärkte. Heute stellen sie mit Sam Nujoma den ersten Präsidenten der unabhängigen Nation.
Die unwirtliche Landschaft im äußersten Nordwesten Namibias hat dem Volk der Ovahimba lange Zeit als Schutzschild gegen die Außenwelt gedient. Schroffe Gebirge, die sturmgepeitschte Skelettküste am Atlantik, der Kunene-Fluss im Norden und undurchdringliche Wüstengebiete hielten die Fremden vom riesengroßen Kaokoland fern. Das Nomadenvolk konnte sich so seine überlieferte Lebensweise und seine Kultur zum überwiegenden Teil bewahren.
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Mit seinen gewaltigen Viehherden zieht der Stamm durch die Landschaft, stets auf der Suche nach geeigneten Weideflächen für die Rinder und Ziegen. Haben sie einen fruchtbaren Platz gefunden, bauen die Ovahimba dort sogar etwas Mais und Kürbis an. Die eigentliche Lebensgrundlage aber bilden die Rinderherden. Die Tiere werden allerdings nur zu besonderen Anlässen beschlachtet. Die Alltagsspeise der Ovahimba besteht in der Regel aus geronnener Kuhmilch.
Die Himba leben in kuppelförmigen Pontoks und tragen nach wie vor ihre traditionelle Kleidung. Frauen wie Männer schlingen sich einen Schurz aus Leder um die Hüften, der von einem prächtigen metallbeschlagenen Gürtel gehalten wird. Dazu kommen zahlreiche Schmuckutensilien. Verheiratete Männer erkennt man an ihrem Turban, verheiratete Frauen an ihren Fellkrönchen. Außerdem flechten sie sich nach der Heirat lange dünne Zöpfe, allerdings nicht aus ihrem eigenen Haar, sondern aus dem ihrer kahlgeschorenen Brüder. Diese tragen dann nur noch einen kleinen Haarstreifen und eventuell einen Zopf.
Den Körper reiben sich die Frauen mit einem Gemisch aus Butter, eisenhaltigem Gestein und aromatischen Kräutern ein, was einen warmen roten Farbton ergibt. Die Männer hingegen bevorzugen eine schwarze Paste. Die Bemalung soll vor allem gegen die sengende Sonne schützen und den Feuchtigkeitsverlust des Körpers in Grenzen halten.
Besonders interessant sind die lebendigen Mythen und Gebräuche, vor allem das Verhältnis zu den Verstorbenen. Die Ovahimba schreiben den Toten eine bestimmte Rolle für ihr Leben und ihr Wohlergehen zu. Um eine Brücke zwischen Lebenden und Verstorbenen aufrechtzuerhalten, hüten sie ihr heiliges Feuer, eine Flamme, die niemals verlöschen darf. Eine lange Tradition hat bei den Himbas auch das Handwerk. Kunstvoll stellen sie Lederarbeiten her und fertigen Halsketten, Arm- und Knöchelbänder sowie Gürtel mit ausgefallenem Design . Diese einzigartigen Handarbeiten werden bereits in kleinem Umfang für den städtischen Markt produziert.
Ackerbau und Viehzucht sichern den Himba auch heute noch die Existenz in der kargen Landschaft des Kaokovelds. Indes: Der Krieg im Norden des Landes hat das Leben der etwa 8000 Himba verändert. Viele von ihnen wurden von der südafrikanischen Armee rekrutiert, vor allem als Fährtenleser. Dies beschleunigte die Einführung der Geldwirtschaft, die die traditionellen Strukturen ebenso zerstört wie die ökologische Krise der Region. Seit Jahren fällt zu wenig Regen, Büsche und Gräser verdorren regelrecht, und die wenigen verbliebenen Plätze für das Vieh sind überweidet. Die urwüchsige Existenz der Himbas, die als eines der letzten Naturvölker Afrikas angesehen werden, ist auch durch die Ausweitung des Tourismus bedroht.
Etwa 140 000 Kavango leben an den Ufern des Okavango im Nordosten des Landes. Ihre Lebensgrundlage bilden Ackerbau, Viehhaltung und Fischfang. Die Kavango (Hauptsprache: Kwangali und Mbukushu) sollen zwischen 1750 und 1800, von den großen Seen Ostafrikas kommend, in Namibia eingewandert sein. Ihre traditionelle Siedlungsweise in palisadenumfriedeten Einzelgehöften, die denen der Owambo ähneln, hat sich aufgrund der Abgelegenheit der Region ebenso bewahrt, wie die starke Stellung des Sippenältesten.
Das Gebiet der Kavango erstreckt sich über den Grenzfluss Okavango hinweg bis ins südliche Angola hinein. Das Vorkommen edler Hölzer in dieser Region hat die Holzschnitzerei, die Produktion von Holzschmuck, Möbeln und anderen Gebrauchsgegenständen mittlerweile zu einem der wichtigsten örtlichen Industriezweige gemacht.
Durch Gebietstausch kam der Caprivi-Zipfel im Jahre 1890 zum heutigen Namibia. Die Caprivianer leben in einem äußerst fruchtbaren Areal von Ackerbau, dem Fischfang und der Jagd. In der Region leben insgesamt 44 000 Menschen verschiedener Ethnien, die meisten besitzen eine enge sprachliche Verwandtschaft zur Bevölkerung im benachbarten Zambia. Seit einigen Jahren versucht man durch konsequenten Aufbau das Land zur Kornkammer Namibias zu entwickeln. Auch der Anbau tropischer Früchte bringt bereits gute Erfolge. Die Caprivianer sind im Caprivi-Zipfel versprengt - der Tourist auf Stippvisite kommt kaum mit ihnen in Berührung.
Das abgehärtete Volk der Topnaars hat viele Jahre an den Ufern des Kuiseb gelebt. Die Überlieferung sagt, dass die Vorfahren der Topnaars, die Strandlopers (Strandräuber), vor vielen Jahrhunderten als Nomaden entlang der Küste lebten. Heute hüten die Topnaars nach wie vor ihre Schafe in dieser rauhen Gegend. Einige von ihnen leben in Walvis Bay.
Die Topnaars sprechen die aufgrund der kehligen Schnalzlaute so typische Sprache der Nama. Sie verfügen über viele ungewöhnliche Sitten und Gebräuche, die auf ihr Leben in der Namibwüste zurückzuführen sind. Zu ihren kulinarischen Spezialitäten gehört die Naramelone, die hauptsächlich in der Namib zu finden ist. Ihr werden sogar medizinische Heilkräfte nachgesagt. Die jährliche Ernte in den Dünen südlich von Walvis Bay und die Art der anschließenden Zubereitung hat als eine der ältesten Traditionen überlebt. Auch die Gedichte über die Naramelone sind Teil der Topnaarkultur.
Die Tswana sind mit nur ca. 10 000 Angehörigen die kleinste kulturelle Gruppe in Namibia. Sie wanderten im 19. Jahrhundert aus Botswana ein. Viele von ihnen leben heute in einem Dreieck, das seine Basis zwischen Epukiro und Aminuis im Osten und Walvis Bay als Scheitelpunkt im Westen bildet. Die meisten Tswana leben in Farmgemeinschaften oder besitzen eigene Farmen rund um Gobabis. Ihre kulturelle Identität haben sie aufgrund ihrer geringen Anzahl jedoch mehr oder weniger verloren.
Schon früh vermischten sich die ersten holländischen Einwanderer, die unter Jan van Riebeeck 1652 am Kap der Guten Hoffnung glandet waren, mit den einheimischen Völkern. Dadurch entstand Namibias äußerlich auffälligste Bevölkerungsgruppe, die Rehobother Baster. Die aus Verbindungen von Nama-Frauen aus dem südlichen Kapland und den dort lebenden Buren stammenden Kinder wurden meist Farbige oder Baster (Bastarde) genannt. 1868 wanderten 90 Basterfamilien in Richtung Namibia, um eine bevorstehenden Konfrontation mit den weißen Kolonialherren zu vermeiden. Die erste Siedlung entstand in Warmbad. Dann wanderten die Baster weiter nordwärts, um sich an einem Ort ca. 30 Km von Berseba nieder zu lassen. 1870 wurde ihnen endgültig erlaubt, an den heißen Quellen von Rehoboth zu siedeln. Ihre kleine, selbstverwaltete Republik tolerierten sowohl die deutschen als auch die südafrikanischen Kolonialherren, bei denen Farbige mehr Rechte genossen als die schwarzen Völker Namibias.
Heute leben ca. 60 000 Basters in Namibia. Ihre Heimatsprache ist Africaans. Auf ihren eigenen Wunsch hin haben sie ihren Namen beibehalten und werden unter diesem auch offiziell registriert und anerkannt. Viele von ihnen widmen sich der Viehzucht oder dem Anbau von Zuckerrohr. Andere wiederum haben Aufgaben in der Politik, der Wirtschaft und im kulturellen Bereich übernommen.
Wie die Basters stammen viele farbige Namibier (the Coloureds) aus der Kapprovinz Südafrikas. Viele Nachkommen stammen jedoch aus Verbindungen Einheimischer. Die Farbigen sprechen ebenfalls Afrikaans, ihr Akzent unterscheidet sich jedoch deutlich von dem der Basters. Während einige wenige im Süden des Landes Landwirtschaft und Viehzucht betreiben, leben viele in Windhoek, Keetmanshoop und Lüderitz. Die größte Gemeinde befindet sich in Walvis Bay. Sie lebt vom Fischfang. Verglichen mit anderen Völkern Namibias sind die Farbigen überwiegend gut ausgebildet und daher in vielen Berufszweigen zu finden.
Im Laufe der Geschichte sind auch die weißen Einwanderer zu einem afrikanischen Volk geworden. Ein großer Teil der Namibier spricht deutsch, meist sind es Nachfahren der Siedler aus der Kolonialzeit. Damals war das heutige Namibia ein beliebtes Auswanderungsland. Die schlechte Wirtschaftslage in ihrem Heimatland und die Suche nach Abenteuer lockten etliche Deutsche in die Fremde. Der größere Teil der Weißen wanderte seit Beginn des Jahrhunderts aus Südafrika ein. Sie kamen als Siedler, nach dem Ersten Weltkrieg auch als Offiziere oder Beamte der neuen Kolonialmacht. Auch nach der Unabhängigkeit spielen die rd. 80 000 Weißen, darunter ca. 20.000 deutschstämmige, eine zentrale Rolle in der Ökonomie des Landes. Sie sind im Handel, in Fabriken, in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt.
Ebenso vielfältig wie die Volksgruppen sind die Sprachen in Namibia. Neben Afrikaans, Englisch und Deutsch gibt es etwa dreißig weitere Sprachen, die innerhalb der einzelnen Völker gesprochen werden. Die beiden Hauptgruppen sind Bantu und Khoesan. Diese Sprachenvielfalt hat einen hohen kulturellen Wert