Namibia - Zeichen vergangener Zeiten


Felsgravierungen & Höhlenmalereien

Felsmalereien- und Gravierungen gelten heute nicht mehr nur als bloße „Kunstäußerung“ exotischer Völker, als die sie bereits im vorigen Jahrhundert die Aufmerksamkeit europäischer Reisender auf sich zogen. Sie sind - als Lebensbilder frühgeschichtlicher Kulturen - besonders in Afrika einzigartige historische Dokumente, deren „Entschlüsselung“ einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Kulturgeschichte des Kontinents liefern kann. Speziell in Verbindung mit Namibia sprechen viele Forscher von einer regelrechten Open-Air-Galerie in der Wüste und erkennen den Kunstwerken eine Qualität zu, die anderen afrikanischen Beispielen oder auch den in Europa gefundenen Höhlenmalereien in nichts nachstehen.

Kunst & Kultur in Fels

Für Paläontologen wie Volkskundler ist Namibia eine wahre Fundgrube. Im ganzen Land kommen in Stein geritzten Zeugnisse vergangener Kulturen vor, die reichsten Fundstellen aber sind der Brandberg, die Philips-Höhle im Erongo-Gebirge, die Etemba-Höhle bei Omaruru und die Terrassen bei Twyfelfontein.

Neben sagenhaften Gravierungen entdeckte man in Namibia auch zahlreiche Felsmalereien. Die verwendeten Farben gewannen die Urzeitmenschen aus kalkhaltigen Steinen, die sie über dem Lagerfeuer zu Pulver verbrannten. Dieses Pulver mischten sie mit Tierblut, nach den Überlieferungen meist mit dem Blut der kultisch verehrten Elenantilope.

Bisherige Interpretationen der Felsgravierungen und Malereien hielten sich mit der Erforschung der Kultur, aus der die Werke stammen, wenig auf. Teils wurde behauptet, man müsse sie wie Kinderzeichnungen ansehen, die weiter nichts bedeuteten, teils wurden Einflüsse aus dem mediterranen Raum vermutet. Es wurden sogar Fälschungen unterstellt - als hätte mit Macht geleugnet werden müssen, dass sich auch im afrikanischen Busch eine eigenständige Kultur ausbilden könne. Neuere Forschungen versuchen dagegen, aufgrund des ethnografischen Materials, das über die vermuteten Schöpfer der Gemälde, die Buschmänner, überliefert ist, den Bildern gerecht zu werden.

Die Malereien sind sicher nicht mit den Kunstbegriffen unserer Zeit zu beurteilen. Aber dafür, dass die Künstler keine „Sonntagsmaler“ waren, sondern ihr Handwerk sehr professionell ausübten, sprechen schon der meist klare, mitunter fast kodifiziert wirkende Stil und die sichere Linienführung. Das ist z.B. am Brandberg sehr klar zu erkennen. Aber welche berufsmäßige Aufgabe verbirgt sich hinter den Bildern ? Waren die Maler Erzähler, „Journalisten“, die so ihre Neuigkeiten illustrierten? Fungierten die Bilder als Lehrmittel, um die Jugend mit dem vertraut zu machen, was für ihr Überleben wichtig war? Gaben Chronisten so die Traditionen und Sagen ihres Volkes weiter? Oder dienten die Höhlenwände einfach als Erinnerungsalben für Familienereignisse und Jagderlebnisse ?

Merkwürdig ist, dass im Bergland hinter der Wüste neben anderen Tieren auch Darstellungen von Robben und Walen auftauchen. Niemand weiß, ob ihre Urheber über die Wüste hinweg bis ans Meer gewandert waren, oder ob der Atlantik damals vielleicht bis an das Gebirge heranreichte.

Vermutlich haben viele Bilder ihren Ursprung im magisch-religiösen Bereich. Ob sie im Zusammenhang mit Trance-Riten entstanden, ob Bilder aus dem Unterbewusstsein sich hier mit mythologischen Vorstellungen vermischten, wird derzeit wissenschaftlich diskutiert. Für manche Szenen bieten auch Jagdzauber, Regenzauber oder Analogiezauber eine mögliche Erklärung - Praktiken, bei denen Medizinmänner oder -frauen durch das Bild Macht über das Dargestellte zu gewinnen suchten. So könnten die Bilder Wünsche und Sehnsüchte erfüllt, Heilung oder Tod gebracht haben. Aber all das ist ungewiss.

Doch das die Bilder befremden, könnte ihre größte Kostbarkeit ausmachen. Vielleicht geht es bei der Höhlenkunst gar nicht darum, ihre Rätsel zu lösen, sondern sie zu bewahren ?

Kunst der Nomaden ?

Es ist klar, dass die Urheber dieser steinzeitlichen Kunst nicht auf eine ganz bestimmte Gruppe eingegrenzt werden können. Trotzdem läßt sich wohl sagen, dass es sich im wesentlichen um Äußerungen nomadischer Menschen in steinzeitlichen Lebensformen handelt. Es gibt viele Zeugnisse dafür, dass die Buschleute - jene Jäger und Sammler, die lange vor der Bantu-Einwanderung im südlichen Afrika gelebt haben - für bedeutende Teile dieser Kunstwerke verantwortlich sind.

Twyfelfontein

Felszeichnungen gibt es zwar an vielen Orten Namibias, in Twyfelfontein sind aber mit insgesamt 2500 Gravuren und Malereien die bislang reichsten Zeugnisse von Kulturen der Mittel- bis Jungsteinzeit gefunden worden. Obendrein sind sie die ältesten in ganz Afrika.

Abgesehen von einem kleinen Souvenirstand und dem Toilettenhäuschen scheint sich in Twyfelfontein nichts verändert zu haben, seit Menschen eines bis heute unbekannten Volkes mit Steinwerkzeugen Bilder in den Fels kratzten. Sie haben dabei festgehalten, was für sie offenbar wichtigste Lebensgrundlage war: wilde Tiere.

Die einfachen, aber gut erkennbaren Darstellungen zeigen, dass die Menschen vor tausenden Jahren mit denselben Tierarten lebten, die heute noch Namibias Nationalparks und Wildfarmen bevölkern. Man kann Giraffen, Antilopen, Zebras und Löwen erkennen. Zum Teil sind aber Tiere abgebildet, die heute fast ausgerottet sind. Etwa das weiße Breitmaulnashorn, früher ein begehrtes Opfer europäischer Jäger. Die Tiere und auch die einzelnen Gegenstände wie Pfeil und Bogen sind klar erkennbar und richtig proportioniert dargestellt. Menschen erscheinen dagegen meist seltsam stilisiert. Warum sind ihre Oberkörper gebogen und überdehnt, warum die Beine viel zu lang?

Neben Auskünften bieten die Bilder - die ältesten sind übrigens vor 26000 Jahren entstanden - vor allem Rätsel. Wie kommt es, daß von allen Tieren am meisten die Giraffe dargestellt ist, obwohl das gewaltige und laufschnelle Tier erst seit der Erfindung von Handfeuerwaffen als lohnendes Jagdziel gilt? Gab es damals wirklich Schlangen mit großen Ohren? Und warum fehlt der Hase, der doch in der Mythologie afrikanischer Völker eine so große Rolle spielt?

In herabgestürzten, wirr übereinanderliegenden Sandsteinbrocken und -platten wurden die 1-3 mm tiefen Gravuren eingeritzt. Dazu benutzten die Künstler vermutlich Steine aus besonders hartem Quarz.

Die interessantesten Darstellungen von Twyfelfontein sind das Fabeltier, auch „tanzender Kudu“ genannt, und die Löwenplatte. Die Besonderheit des seltsamen Fabeltieres ist, dass es sich auf einer hochpolierten Steinplatte befindet. Polierte Steingravuren tauchen ansonsten in ganz Namibia nicht auf. Auf der Löwenplatte ist ein Löwe mit großen Tatzen und einem eigentümlich rechtwinklig geformten Schwanz abgebildet.

Man bräuchte Tage, um sich in die Feinheiten und die Präzision der Bilder von Twyfelfontein zu vertiefen. Die beiden geführte Rundwanderungen von 1 Stunde oder 40 Minuten, die auch miteinander kombiniert werden können, verhelfen zu einem guten Überblick.

Auch wenn das Herumklettern zwischen den Felsen etwas beschwerlich ist, sollte man nicht versäumen, vor der einen oder anderen Zeichnung innezuhalten. Denn der Zauber der Zeichnungen erschließt sich nur bei genauem Hinsehen.

Noch unklar ist, warum Gravuren in so großer Anzahl gerade an dieser Stelle auftreten. Die Wissenschaft steht noch am Anfang der Erforschung dieser Jahrtausende zurückreichenden Geschichte.
Einer der verschiedenen Theorien zufolge handelt es sich bei den Felsbildern um eine Art Jagdbeschwörung: Dort lauerten die Jäger ihrer Beute auf; ganz in der Nähe befand (und befindet sich noch) eine Quelle, die einzige in weitem Umkreis, zu der Wildtiere zur Tränke kamen. Andere Wissenschaftler meinen, die Jäger hätten sich die Wartezeit einfach nur spielerisch vertrieben, indem sie die Zeichnungen in die Felsen ritzten.

Beim Besuch von Twyfelfontein ist wegen der großen Hitze auf jeden Fall ratsam, genügend Trinkwasser mitzunehmen.

Der Brandberg

Das majestätische Brandbergmassiv ragt einsam und geheimnisvoll aus der trockenen Halbwüste auf und beherrscht die umliegende Gegend. Das beein-druckende Felsengebirge ist mit seinem Hauptgipfel, dem Königstein (2573 m), die höchste Erhebung des Landes. Doch nicht nur das: Namibia besitzt mit dem Brandberg eines der reichsten Felskunstvorkommen der Erde.

In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragenen Projekt gelang es dem Felsbildforscher Harald Pager, im Laufe von acht Jahren die Malereien der oberen Regionen des Gebirges nahezu vollständig aufzuehmen. Bei seinem frühen Tod 1985 hatte er an rund 900 verschiedenen Fundstellen 43000 Figuren auf über 6 Kilometer Zeichenfolie übertragen und damit die wohl umfangreichste, geschlossene Felsbild-Dokumentation der Welt geschaffen.

Am Brandberg ist auch die berühmte „White Lady“ zu besichtigen, die unter der Vielzahl an Felsbildern herausragt. Der beschilderte Weg durch die Tsisab-Schlucht ist beschwerlich; man sollte mindestens 1 Stunde für die einfache Strecke veranschlagen und genügend Trinkwasser mitnehmen.

Man trifft auf eine Felsnische, die über und über mit Figuren bedeckt ist. Aus dieser ragt die 45 cm große „Weiße Dame“ heraus.

Das Geheimnis der „Weißen Dame“

„ Ich kroch schnell zurück und sprang in langen Sätzen über die Granitblöcke, um meine Kameraden noch zu erreichen, damit sie Teil hatten an dem glücklichen Fund. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen. Ich sah die Kameraden schon weit unten in der Tsisab-Schlucht dem Ausgang zustreben, wo wir die Flaschen mit Wasser verborgen hatten. Ich schrie und brüllte, so laut ich konnte. Aber die müden Menschen reagierten nicht auf meine Rufe, die von der Einsamkeit aufgesogen wurden. Sie marschierten weiter dem Schluchtausgang zu. Da zog ich den Browning und feuerte schnell einige Schüsse gegen die Felsen, so das das Echo rollend an den Felswänden widerhallte.“

Am Freitag, dem 4. Januar 1918, beschreibt der Landvermesser Reinhard Maack in seinem Tagebuch die aufregenden Erlebnisse des Vortages: Allein und durstig war er bei einer Besteigung des Brandberges zurückgeblieben, als sein Blick auf einen Granitblock fiel, der gegen einen anderen Block gestürzt war. Maack war in die schattige Lücke zwischen den beiden Blöcken gekrochen - und hatte im Halbdunkel der Grotte „die schönste Felsmalerei des paläolithischen Kulturkreises, die ich je in Südwestafrika angetroffen hatte“, entdeckt.

Maack hatte eine Szenerie vor sich, die heute unter dem Namen „White Lady“ zu den eindrucksvollsten und zugleich auch umstrittensten Höhlenmalereien zählt. Sie ist vielfach gedeutet worden, durch ihr mediterranes Erscheinungsbild galt sie sogar als europäisch inspiriert. Die Deutung des Zulu-Medizinmanns Credo Mutwa hingegen sieht in der Darstellung keine Dame, sondern einen der fünf großen historischen Herrscher des afrikanischen Reiches der Malti. Heute spricht viel dafür, dass die „White Lady“ ein weiß bemalter oder bekleideter Mann ist.

Die Zeichnung soll vor etwa 3500 Jahren entstanden sein, wie 45000 weitere Malereien, die im Bereich des Brandberges, den die Hereros einst „Berg der Götter“ nannten, dokumentiert wurden. Sie bezeugen eine vorkoloniale afrikanische Geschichte und Kultur von hohem Rang.

Das Brandbergmassiv, insbesondere auch die Amis-Schlucht, ist eine wahre Fundgrube für alle Reisenden, die speziell an namibischer Felskunst interessiert sind.

Die Spitzkoppe

Die Spitzkoppe mit ihren 1829 m ragt wie ein riesiger Granitdom über die Wüstenlandschaft. Der Berg liegt zwischen Windhoek und Swakopmund.
Das Inselgebirge entstand, als Magma in den alten Sockel Afrikas eindrang und später durch Erosion freigelegt wurde. Am steil aufragenden Massiv stauen sich oft die Wolken und regnen ab. Das Feuchtgebiet war schon früh besiedelt, worauf zahlreiche Felszeichnungen und Werkzeugfunde hinweisen. An der „Nashornwand“ und im „Buschmannparadies“ sind besonders interessante Darstellungen zu besichtigen.

Das Spitzkoppe "Community Project"

Mit diesem Projekt haben Damaras einen Aufenthalt an der Spitzkoppe attraktiver gemacht. So stellen sie z.B. Waschgelegenheiten zur Verfügung, verkaufen Erfrischungsgetränke und bieten die Möglichkeit, einheimische Führer für einen informativen Rundgang zu engagieren. Initiiert wurde das Projekt durch die Community-Mitglieder selbst. Sie haben das Potenzial entdeckt, das in der Schönheit der Berge steckt.

Einfache Campingplätze sind übrigens überall am Fuß des Berges vorhanden. Sie bieten genügend Privatsphäre, um die Einsamkeit zu genießen.

Die Etemba-Höhle

An den Ausläufern des Erongo-Gebirges, 1214 m hoch gelegen, liegt Omaruru. Der Ort ist Ausgangspunkt für Ausflüge ins Gebirge, das besonders für geologische interessierte Reisende ein lohnendes Ziel ist.

Das zerklüftete Massiv, gleichsam eine Lavaschüssel von 40 Kilometer Durchmesser, hat seinen Ursprung in einem nicht bis an die Erdoberfläche vorgedrungenen Vulkanerguß (vor ungefähr 140 bis 190 Mio. Jahren).

Berühmt ist das Erongo-Gebirge auch wegen der Felsmalereien. Besonders eindrucksvolle Beispiele findet man in der Etemba-Höhle auf der Farm Etemba (50 Km westlich von Omaruru an der Straße 2315 gelegen).

Besonders hervorzuheben sind hier die Giraffenzeichnungen. Außerdem sind die bizarren Felsformationen (auch „Steinpilzfelsen“ genannt) auf dem Farmgelände einen Besuch wert.

Die Philipps-Höhle

Ebenfalls im Erongo-Gebirge, nördlich der Stadt Usakos, befindet sich die bekannte Philipps-Höhle. Sie ist nach Emil Philipp, dem damaligen Besitzer der Farm Ameib benannt worden, da die Höhle auf dessen Land gefunden wurde.

Die Höhle enthält zahlreiche Felszeichnungen mit vielen Menschen- und Tierdarstellungen. Das bekannteste Beispiel für die namibische Höhlenmalerei ist der „ Weiße Elefant“. Das Besondere dieses Orts: Bei genauem Betrachten lassen sich mehrere übereinander liegende Schichten mit unterschiedlichen Tiermotiven erkennen.

Der etwas beschwerliche Aufstieg zur Höhle lohnt sich auf jeden Fall. Der Fußweg dauert ca. 45 Minuten.

Omburu Ost Nr. 81

Der Farmer mit den wie Leder gegerbten Beinen bittet auf die Ladefläche seines alten Pickup. Man möge sich gut festhalten, sagt Eckard Reitz und startet den Motor. Es beginnt eine Berg- und Talfahrt wie auf der Achterbahn. Einen steilen Weg hinauf, einen schmalen Weg hinunter, durch das ausgetrocknete Flussbett des Ugab, immer über Steine holpernd und in Bodenvertiefungen absackend. Dann ist die erste Etappe absolviert. Absteigen! Der Besitzer der Farm Omburu Ost Nr. 81 - Vater deutschstämmig, Mutter Burin - präsentiert die größte Attraktion auf seinem 7500 ha großen Besitz in der Nähe der Fingerklippe.

Rock Art nennt er sie, die Zeichnungen und Gravuren, die einige wettergeschützte Felsen schmücken wie Michelangelos Fresken die Sixtinische Kapelle.

Entdeckt hat Eckard Reitz sie im Alter von neun Jahren, beim Spielen auf den Steinen mit seinem Bruder. Als er seinen Eltern davon berichtete, sagten die: „Kaffernquatsch“, und damit war das Thema erledigt. Erst heute, da Eckard Reitz im siebten Lebensjahrzehnt steht, ist ihm die Bedeutung dieser eindrucksvollen Felsengalerie aufgegangen.

Der Farmer zeigt mit dem Stock auf eine sorgsam in den Stein geritzte Schildkröte. Sie ist von bizarrer Schönheit und einmalig in Namibia. Er zeigt menschliche Figuren, wahrscheinlich von Buschmännern vor 10 000 oder 20 000 Jahren mit einem Gemisch aus Naturfarben und Blut auf den Felsen gestrichelt. Er deutet auf Tiere, von altsteinzeitlichen Malern beobachtet: der lauernde Gepard, die gravitätisch äsende Giraffe, das bullige Nashorn auf der Flucht vor den Jägern, der Springbock und die sprintende Antilope.

Die Fantasie lässt das Geschehen an diesem Ort vor Augen erscheinen: Hier haben Menschen gelagert. In die Steinkammern haben sie sich nachts wie in eine Höhle zurückgezogen, auf dem Platz davor haben sie das erbeutete Wild zerlegt, beim Gedanken an das bevorstehende Festmahl durch Schnalzlaute Wohlbehagen ausgedrückt, Feuer gemacht, mit Steinen ihre Speerspitzen geschleift und nach dem Essen die imposante Kulisse genossen: blaue Berge im Hintergrund, davor die malerischen Tafelberge und das hügelige Land. Und einige von ihnen sind in den Mußestunden zu Künstlern geworden.

Apollo 11

Apollo 11 kehrte am 24. Juli 1969 aus dem All zur Erde zurück, nachdem zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten hatte. Die Radiomeldung von diesem „großen Schritt für die Menschheit“ hörte der Archäologe Wolfgang Erich Wendt in der Einsamkeit der Huns-Berge im Süden Namibias, wo er gerade mit der Ausgrabung einer bis dahin namenlosen Grotte begann.

Als er ihr nun den Namen „Apollo 11-Grotte“ gab, ahnte er nicht, dass sie einmal die Spuren eines vielleicht noch größeren Schrittes der Menschheit preisgeben würde. Die Grotte barg den vermutlichen ältesten Beleg von der Kunst, Gemälde zu schaffen - nicht auf der Leinwand, sondern auf Steinplatten.

Es stellte sich heraus, dass vor rund 27000 Jahren ein Bewohner der Apollo-Grotte auf etwa handgroßen Steinplatten im Bild festhielt, was ihm in seiner täglichen Lebenswelt ebenso wichtig war, wie viel später auch den Malern im Brandberg: Tiere - darunter ein Nashorn, ein Zebra (?) und eine Raubkatze. Die Platten blieben in der Höhle liegen, zerbrachen zum Teil und wurden schließlich in einer oberen Fundschicht des „Middle Stone Age“ eingebettet, deren Alter durch die Radiokarbon-Methode auf 26000 bis 28000 Jahre bestimmt werden konnte. Damit sind die Zeichnungen nicht nur die ältesten Kunstwerke Afrikas. Sie gehören darüber hinaus zu frühesten, nachgewiesenen künstlerischen Betätigung, deren Beginn weltweit etwa durch Elfenbeinfiguren aus süddeutschen Höhlen oder Malereispuren aus französischen Fundstellen nur wenige Jahrtausende datiert wird.

Bedenkt man, dass im Vergleich zu Europa die archäologische Erforschung Afrikas gerade erst begonnen hat, ist durchaus damit zu rechnen, dass der „geschichtslose Kontinent“ nicht nur die Heimat der Menschheit ist, sondern ihr neben den frühesten Formen von monumentaler Architektur auch die bildende Kunst geschenkt hat.

Zeichen über Zeichen - Gefährdete Kunst

Die Jahrtausende alten Felsmalereien sind empfindliche Kunstwerke, die in großem Maß von Zerstörung bedroht sind:

Touristen, auch „wissenschaftlich“ motivierte, sprühen Wasser, mitunter auch Limonade über die Malereien, um sie im Foto besser sichtbar zu machen. Das Wasser löst jedoch Salze aus dem Gestein, wodurch die Bilder verblassen. Manche Souvenirjäger versuchen sogar ganze Felsstücke mit Bildern herauszuschlagen, und andere Besucher hinterlassen stolz ihre eigenen Inschriften auf den Bildwänden und setzen damit unserer Zeit eine wenig schmeichelhafte Marke.

Felsmalereien- und Gravierungen müssen vor Rücksichtslosigkeit und Gedankenlosigkeit geschützt werden. Besser als restriktive Maßnahmen wirken jedoch Informationen und sachkundige Führungen sowie die Unterstützung Namibias bei den Aufgaben des Kultur- und Denkmalschutzes.

Allerdings kann man nur schützen, was man kennt. Die Dokumentation der Felsbilder hilft, sie zu bewahren. Aber erst ihre Veröffentlichung bietet eine Grundlage dafür, Europäern wie Afrikanern den Wert dieser einzigartigen Kulturzeugnisse bewusst zu machen.

Denn Felsbilder als Malereien oder Gravierungen, die fast über den gesamten afrikanischen Kontinent verbreitet sind, stellen mehr dar als nur eindrucksvolle Zeugnisse früher künstlerischer Gestaltung: Sie sind Quellen ungeschriebener Geschichte.

Blick in die Vergangenheit

„Regen, Regen - wo bleibt er dieses Jahr? “ denkt die Frau und stochert dabei mit ihrem Stock in der steinharten, staubigen Erde. Minutenlang muss sie angestrengt graben, um sich bis zu der saftigen Knolle tief im Boden vorzuarbeiten.

„Regen!“ sagt sie laut und fast zornig, als sie die Knolle herausklaubt und in ihrem Beutel verstaut. Kurz darauf macht sie sich mit ihren Begleiterinnen auf den Heimweg. Dabei gilt ihre ganze Aufmerksamkeit den dichter werdenden Wolken fern im Osten. Sollte tatsächlich das wahr werden, was sie alle am Vorabend so innig beschworen hatten ?

Bis tief in die Nacht hatten sie gesungen und getanzt, und ihre Männer hatten unterdessen einige Springböcke an die Wand gemalt - Springböcke, die von fern heranziehen, um das frisch gesprossene Gras nach dem ersten Regen zu fressen. Ganz in Gedanken an diesen Abend versunken, an dem ein Jäger noch einmal von dem großen Springbock Zug der letzten Trockenzeit erzählt hatte, werden sie von den ersten dicken Regentropfen überrascht .

Phantasie oder Wirklichkeit ? - Wie mag es gewesen sein?

Wichtige Adressen

Weitere Informationen über Felsgravierungen & Höhlenmalereien erhalten interessierte Besucher bei der:

Namibia Scientific Society
P.O. Box 67 Windhoek
Tel. 061 / 22 5372 Fax. 22 6846

Scientific Society of Swakopmund
Sam Cohen Library
P.O. Box 361 Swakopmund
Tel. 064 / 402695

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