Geologische Highlights
Wer Namibia näher kennen lernt, wird feststellen,
dass die 824 292 Quadratkilometer große Republik ein Dorado
für professionelle, aber auch für Freizeit-Geologen
ist. Speziell für Mitteleuropäer ist das Land deshalb
so faszinierend, da der größte Teil der Geologie aus
dem Präkambium, also aus der Zeit vor 590 Millionen Jahren
stammt. In Zentraleuropa treten derartige Formationen nur äußerst
selten auf. Daher ist Namibia in sich ein geologisches Museum
ganz besonderer Art. Nachfolgend finden Sie einige der interessantesten
geologischen Plätze des Landes. Bitte erwarten Sie keine
detaillierten wissenschaftlichen Erläuterungen. Sehen Sie
diesen kleinen Überblick vielmehr als Inspiration, tiefer
in die geologische Geschichte des Landes einzutauchen.
Kunstwerk Namibia
Namibia gliedert sich (von Westen nach Osten) in die Küstenebene
oder Namib-Wüste, die Große Randstufe (bis 2000 m hoch),
das Binnenhochland (ca. 1700 m ü. M.) und das Kalahari-Hochbecken
(rund 1200 m ü. M.). Die 80 bis 150 km breite Küstenebene
steigt bis zum Fuß der Großen Randstufe auf etwa 800
m an.
Im Norden ist die Namib-Wüste steinig, teilweise felsig,
während im Süden die großen Wanderdünen dominieren.
Die Küste Namibias wurde hauptsächlich durch den Benguelastrom
geformt. Diese starke Meeresströmung in Süd-Nord-Richtung
hinterließ eine fast gerade 1500 km lange Küstenlinie.
Natürliche Häfen bildeten sich nur in Walvis Bay und
in der Lüderitzbucht heraus.
Die Große Randstufe, die eindrucksvolle westliche
Begrenzung des Binnenhochlandes, wird im Norden zwischen dem Kunene-
und dem Huab-Fluß von den Baynes und den Joubert Mountains
gebildet, im Süden durch das Khomas-Hochland, die Rantberge
und Naukluft Mountains sowie Tsaris Mountains, Schwarz­­rand
und Tiras Mountains. Breite und tiefe Täler, die zur Küste
ausgerichtet sind, zerschneiden die Große Randstufe, die
in Mittelnamibia über mehrere hundert Kilometer unterbrochen
ist. Dort steigt das Gelände kontinuierlich bis zum Niveau
des Binnenhochlandes an. Außerhalb der Großen Randstufe
stehen der Brandberg, mit 2579 m der höchste Berg des Landes,
die Erongo-Berge (2350 m) und die Große Spitzkoppe (1759
m).
Das Binnenhochland wird im Norden von breiten Tälern
durchzogen. Einzelne Berge ragen aus dem Plateau heraus. Im Süden
ist das Hochland flach. Nur wenige tiefe Täler mit Steilwänden
gliedern hier die Landschaft. Mit den Städten Tsumeb, Otjiwarongo,
Windhoek, Mariental, Keetmanshoop und Karasburg, die fast auf
einer Linie liegen, bildet das Binnenhochland gleich­sam das
Rückgrat des Landes. Das Kalahari-Hochbecken, zu dem auch
die Etosha-Pfanne gehört, ist eine völlig ebene, sehr
trockene Landschaftsformation; lediglich im Nordosten und Osten
gibt es sanfthügelige Zonen.
Geologisches Dorado
Namibia ist Teil eines alten, stabilen Blocks der Erdkuste,
des afrikanischen Sockels. Bedingt durch die meist
spär­liche Vegetation liegen die präkambrischen
Gesteine an manchen Stellen wie ein offenes Geologiebuch da -
atemberaubende Landschaftsbilder auch für den geologisch
vorgebildeten Reisenden. Junge Schichten sind zwar auch in Namibia
weitflächig vorhanden - darunter tertiäre und quartäre
Sande in der südlichen Namib und im Kalahari-Becken -, sie
sind jedoch nicht sehr mächtig und wenig reliefbestimmend.
Daher werden sie in der geologischen Nomenklatur des südlichen
Afrika, ab der Kreidezeit, einfach als Post-Karru-Schichten zusammengefasst.
Die ältesten Gesteine Namibias sind 2,1 Milliarden
Jahre alt. Es handelt sich um metamorphe Gesteine des Vaalium,
die im Kaokoveld - im großen Dreieck zwischen Outjo, Kamanjab
und Khorixas - sowie am Oranje zu finden sind. Im Fischfluß-Canyon
kann man förmlich in die Erdfrühzeit hineinsehen: Die
untersten angeschnittenen Schichten sind älter als eine Milliarde
Jahre !
Namibia besitzt unzählige geologische Kostbarkeiten.
Nur wenige Besucher in Namibia haben das Glück, auf einer
einzigen Reise alle diese Sehenswürdig­keiten kennenzulernen.
Wer jedoch nur einen oder zwei dieser faszinierenden, millionen-
und gar milliardenalten Formationen gesehen hat, wird begreifen,
wie klein, vergänglich und unscheinbar der Mensch im Vergleich
zu Mutter Erde ist.
Kristalle, Mineralien und Edelsteine
Namibia ist Fundort vieler verschiedener Edelsteine und
Halbedelsteine, darunter Diamanten, Aquamarine, Amethyste, Topase,
Quartze, aber auch den beliebten Tourmalin, der in Blau, Grün,
Rot, Pink, Gelb und Schwarz vorkommt, den prächtigen dunkelgrünen
Dioptas, blutrote Granate aus der Wüste und den vielseitigen
Achat, mit seinen unterschiedlichen Blau-, Grau- und Orangetönen.
Zahlreiche Betriebe haben sich bereits auf das Schneiden und Polieren
der Steine spezialisiert und bieten diese zum Verkauf an, z. B.
das mittlerweile weltweit angesehene Mineralien und Kristalle
gibt es in Namibia ebenfalls reichlich. Vier davon sind natürliche
Salzkristalle aus den Salzpfannen an der Küste: Duftit und
Kalzit (Tsumeb), Azurit (Tsumeb) und Uranophan aus der Rössing-Mine
in der Nähe von Swakopmund.
IM NORDEN NAMIBIAS
Die Etosha-Pfanne
Die Geologen sind sich über die Entstehung der Etosha-Pfanne
nicht vollends einig: Wahrscheinlich handelt es sich um einen
See, der sich herausbildete, als der Kunene (heute der Grenzfluß
zu Angola) vor mehr als 12 Mio. Jahren noch rund 200 km weiter
südlich floss. Durch die Verlagerung des Flussbettes nach
Norden verlor der riesige See seinen natürlichen Zufluss
und trocknete schließlich aus. Durch Erosion wurden die
oberen Bodenschichten abgetragen, die Etosha Pfanne somit weiter
vertieft.
In der Regenzeit fließt von Norden nach Süden
Wasser in die vegetationslose Pfanne, wo es verdunstet. Die zurückbleibenden
Mineralstoffe und Salze bilden teilweise eine regelrechte Kruste.
An der Südseite des Sees befinden sich ständige Wasserlöcher,
weil sich im Kalkstein gespeichertes Regenwasser auf dem undurchlässigen
Tonboden sammelt und durch das natürliche Pfannengefälle
nach Süden sickert.
Im Nationalpark gibt es drei verschiedene Arten von Quellen:
Die Grundwasserquellen, z. B. Groß- und Klein-Okevi, Numeros
und Ngobib, befinden sich in der Regel in Kalksteinsenken, in
denen der Grundwasserspiegel bis an die Erdoberfläche reicht.
In der Trockenzeit können sie vollständig versiegen.
Artesische Quellen, wie in Namutoni, Klein-Namutoni, Koinachaus,
Chudop und Aub, liegen meist auf kleinen Kalkhügeln. Im Wasser
steht Rieddickicht. Bei den Schichtquellen, wie in Okerfontein,
sickert Oberflächenwasser durch das poröse Kalkgestein
und sammelt sich auf der undurchlässigen Tonschicht. Diese
Quellen können während der Trockenzeit ebenfalls versiegen.
Die Fahrt durch den Etosha-National­Park lohnt vor
allem in den Wintermonaten (Mai - Sept.), wenn es trocken ist,
die Temperaturen aber selten über 30 Grad steigend.
Otavi-Bergland
Zahlreiche ausländische und einheimische Reisende
fahren durch die Schluchten des Otavi-Berglandes, halten flüchtig
am Hoba-Meteoriten, eilen dann aber in der Regel ohne längeren
Aufenthalt zu den größeren Reisezielen.
Dabei liegen mitten und am Rande des attraktiven Berglandes zahlreiche
Höhlen des Karstfeldes. Größere Aufmerksamkeit
haben bisher nur das Drachenhauchloch und die zwei Seen Otjikoto
und Guinas auf sich gezogen. Interessant sind jedoch auch die
bereits zur Besichtigung freigegebene Auros-Leopardenhöhle
und die Taufbeckengrotte.
Nahe der Leopardenhöhle erwarten den Besucher steinerne
Säulen, fallende Steinkasskaden und gespenstisch umhüllte
Gestalten in hellem Kalk. Beim Taufbecken handelt
es sich um ein Sinterbecken mit einem Durchmesser von vier Metern.
In der Mitte befindet sich eine Stalakmiteninsel. Kundige Führungen
werden von der Farm Auros angeboten.
In der Umgebung des Ortes Otavi bieten sich noch weitere
Ausflugsziele an. Die 26 km östlich gelegene Jagd- und Gästefarm
Kupferberg arrangiert zum Beispiel Touren zu den alten Bergwerken.
Interessant sind auch die Höhlen bei Ghaub, zu erreichen
auf einer nach Nordosten führenden guten Schotterstraße
durch das Tierkloof-Tal. Im Höhlensystem der Farm Ghaub finden
sich Stalaktiten und Buschmann-Felszeichnungen. Die Aigamas-Höhlen
nordwestlich von Otavi (ca. 33 km) sind von Mai bis September
zu besichtigen.
Tsumeb
Auch der Nordosten Namibias ist geologisch hochinteressant,
wie das berühmte Kupfer-Dreieck zwischen den Städten
Tsumeb, Otavi und Grootfontein belegt. Tsumeb ist wegen seiner
Erzvorkommen berühmt. Bereits in prähistorischer Zeit
haben hier afrikanische Völker Kupfer abgebaut. Möglich
war dies aufgrund einer geologischen Besonderheit: Der 1700 m
tief in die Erde reichende Erzschlauch mündete
an der Erdoberfläche in einem 12 m hohen Hügel aus buntem
Malachiterz.
Das Erz konnte auch mit primitiven Mitteln verhüttet
werden und war daher sehr begehrt. Vor allem die Owambo waren
frühe Meister in der Herstellung von Arm- und Fußreifen.
Das Erz schmolzen sie an Ort und Stelle ein.
1893 gründeten die Deutschen die Bergbaustadt Tsumeb.
Ihr Kupfervorkommen galt als das umfangreichste der Welt.
Tsumeb bietet Besuchern, die sich für Geologie interessieren,
im Museum an der Main Street eine sehenswerte Dokumentation der
Geschichte des Bergbaus sowie eine große Auswahl an Gesteinsproben.
In der Umgebung von Tsumeb liegen die beiden einzigen natürlichen
Seen Namibias: der Otjikoto-See und der Guinas-See. Entstehungsgeschichtlich
handelt es sich um ehemalige kreisrunde Hohlräume im Kalkstein,
deren Decken einstürzten. Die Bassins füllten sich mit
Wasser aus einem weitverzweigten unterirdischen Gewässersystem.
ZENTRAL NAMIBIA
Der Brandberg
Die höchste Erhebung Namibias, der Königstein,
ist 2579 m hoch und schon aus großer Ferne als Teil des
imposanten Brandbergmassivs auszumachen, das oval ausgebreitet
eine Fläche von 750 km² umfaßt, 30 km in der Länge
und 23 km in der Breite. Es bildet das Gebirgsdach eines erloschenen
Vulkans,
aus verhärtetem Magma, inzwischen von Sandsteinsedimenten
und Basalten durchsetzt. Doch nicht von seiner vulkanischen Vergangenheit
her hat der Brandberg seinen Namen erhalten, sondern von seinem
stichflammenartigen
Aufleuchten bei Sonnenauf- und Untergang. Die starken Verwitterungen
durch extremes Wüstenklima, ständig schleifende Winde
und Wolkenbrüche in der Regenzeit haben wilde Schluchten
voller Geröll und Schuttmassen hervorgebracht.
Westlich des Berges gibt es ein Amethyst-Fundgebiet. Ausgedehnte
Basaltdecken sind das kennzeichnende Gestein. Die relative Nähe
des Messum-Trichters, der in etwa 50 km Luftlinie südwestlich
der höchsten Brandberg-Erhebung liegt, lässt den ehemaligen
Vulkanismus in dieser Gegend ahnen. Der quarzreiche Basalt zieht
sich westlich um den Messum-Krater und etwa 50 km nach Norden
bis zum Tafelkop. Entsprechend der geologischen Karte von Namibia
heißt dieser basaltische Höhenzug Goboboseb-Berge.
Auch östlich des Kraters befindet sich noch eine schmale
Zunge aus Basalt, so dass dessen Ausdehnung insgesamt etwa 50
x 30 km beträgt.
Das Damaraland
Das Damaraland ist karg, seine landwirtschaftliche Nutzung
bringt wenig, aber landschaftlich ist es von großer Faszination.
Die Bergwände protzen mit verwirrenden Farbtönen und
zeigen, durch Erosion bedingt, ein verzauberndes geologisches
Innenleben. Hier ist immer neu der Blick in den Bauch der Mutter
Erde möglich.
Das Erongo-Gebirge
Das Gebirge liegt mit einer Höhe von 2350 m außerhalb
der Großen Randstufe. Für geologisch interessierte
Reisende ein lohnendes Ziel! Das zerklüftete Massiv, gleichsam
eine Lavaschüssel von 40 km Durchmesser, hat seinen Ursprung
in einem nicht bis an die Erdoberfläche vorgedrungenen Vulkanerguss
vor 140 bis 190 Mio. Jahren. Berühmt ist das Erongo-Gebirge
auch wegen der zahlreichen Felsmalereien. Besonders eindrucksvolle
Beispiele findet man in der Etemba-Höhle auf der Farm Etemba
(50 km westlich von Omaruru an der Straße 2315 gelegen).
Außerdem sind die bizarren Felsformationen (Steinpilzfelsen)
auf dem Farmgelände interessant.
Gibeon
Durch Farmland führt der Weg über Rehoboth ins
Namaland, dessen Hauptort Gibeon durch die hier gefundenen Bruchstücke
eines enormen Meteoritenregens weltbekannt wurde. Eine scheinbar
unendliche Weite aus Braun- und Sandtönen dominiert die Landschaft,
die in ihrem östlichen Teil zum Kalahari-Becken mit seinen
rotsandigen Dünen und abflusslosen Salzpfannen gehört.
Die Giraffenberge
Auf der Strecke von Kaoko Otavi über die Giraffenberge
nach Sesfontein bietet sich eine Landschaft von ganz besonderer
Schönheit: Die Straße führt über Hügel
- ein ständiges Auf und Ab, vergleichbar mit einer Brandung
aus dicht aufeinander folgenden steinernen Wellenbergen - ein
Fahrgefühl wie auf der Achterbahn.
Rechts und links des Weges bizarr geformte Felsen, Steinhaufen,
wie von Riesen aufgetürmt; daneben die strengen Formen der
Tafelberge, kegelförmige und vulkanartige Erhebungen. In
der Ferne vielfarbige Gebirgszüge, teils waagerecht, teils
schräg schraffierte Felsformationen, gefügt aus Gesteinen
der Erdfrühzeit, die 200 Mio. Jahre alt sind.
Zu dieser Zeit war das südliche Afrika Teil des Urkontinents
Gondwana, der sich vom Osten Südamerikas über Afrika
bis zum Westen Australiens erstreckt haben soll. Zu den vielfältigen
Gesteinsarten gehören Dolorit, Quarzit, Granit, Sandstein
und Schiefer. Die nichtaspahltierte Straße ist je nach Höhenlage
und Gesteinsschicht rot, braun oder orange, schwarz, weiß
oder grau. Scharf voneinander abgegrenzt, manchmal im Abstand
von wenigen hundert Metern, wechselt die Farbe des Bodens. Gepaart
mit einer außergewöhnlichen Vegetation ist es eine
paradiesisch anmutende Landschaft!
Grootfontein
Kalt und abweisend liegt auf dem Gelände der Farm
Hoba der Hoba-Meteorit, 20 km westlich von Grootfontein. Er gehört
zu den größten Exemplaren, die es auf der Welt gibt,
und wurde zum nationalen Denkmal erklärt. Die längste
Ausdehnung des Quaders beträgt fast drei Meter. 60 Tonnen
ist er schwer und besteht zu 93 Prozent aus Eisen. Vor etwa 80
000 Jahren soll er die Erdatmosphäre durchstoßen haben.
Sein Alter wird auf 100 bis 300 Mio. Jahre geschätzt. Entdeckt
wurde der Meteorit im Jahre 1920.
Gross Barmen
Bereits seit 1966 steht Gross Barmen unter Naturschutz.
Stattliche Palmen, der schilfumsäumte lagunenhafte See sowie
nicht zuletzt die heißen Quellen, die das große Hallenthermalbad
und ein Freibad speisen, machen es zu einer Oase der Erholung.
Es liegt nur rund 60 km von Windhoek entfernt. Speziell bei Rheumakranken
ist die Heilkraft des von
65° C auf wohlige 40° C heruntergekühlte sulfid-
und fluoridhaltige Wasser bekannt.
Die Spitzkoppe
Auf der Straße nach Windhoek muss man kurz vor Usakos
links auf die Piste 1918 in Richtung Henties Bay abbiegen, um
zum Matterhorn Afrikas zu gelangen. Die Große
Spitzkoppe leuchtet in rosafarbenem Schimmer, ein Inselberg aus
Granit. Die rundlichen Verwitterungsformen geben den Gesteinsmassen
etwas Entrücktes. Im Sonnenlicht nach einem kurzen Regenguß
glitzern und funkeln die Skelette ehemaliger Vulkane.
Dieses bis 1759 m hohe Inselgebirge entstand, als gewaltige
Vulkanausbrüche Unmengen von Lava empor schleuderten, die
dann erstarrte. Jahr für Jahr wurden die Flächen um
die Granitkerne dann durch Erosion entblößt. Am steil
aufragenden Massiv stauen sich die Wolken und regnen ab. Für
die Ureinwohner des Landes waren die so entstandenen Wasserstellen
ein sicherer Zufluchtsort vor der harten Natur. Überall haben
sie interessante Felsmalereien hinterlassen. Auch Mineraliensucher
werden hier fast immer fündig, vor allem bei Topasen.
Swakopmund
Sehenswert ist vor allem das Museum der Stadt. Es beherbergt
unter anderem eine interessante Sammlung der in Namibia vorkommenden
Mineralien, darunter einige recht auserlesene Stücke. Von
Swakopmund aus bietet sich zudem eine Exkursion ganz besonderer
Art an: zur Rössing Uranmiene, dem größten Urantagebau
der Welt (50 km nordöstlich von Swakopmund). Abfahrt ist
jeden Freitag vor dem Schweizer Haus um 08:00 Uhr, Rückkehr
gegen 13:00 Uhr (N$ 15,-)
Ein weiteres interessantes Ausflugsziel ist das Mondtal.
Die Landschaft scheint nicht von dieser Welt zu sein, auch wenn
sie nur wenige Kilometer von Swakopmund entfernt liegt. Wer die
geteerte Straße Richtung Windhoek dort verlässt, wo
das Schild nach Goanikontes weist (Weg Nr. 1991), gerät auf
eine steinige Straße mit welligem Auf und Ab.
Das nach einiger Zeit erreichte Mondtal erscheint tatsächlich
außerirdisch: vegeationslose Felsen mit tief eingeschnittenen
Tälern, geschaffen in erdgeschichtlichen Prozessen mit Hilfe
der Wasserkraft des Flusses. Sie erscheinen unpassierbar, abweisend,
lebensfeindlich. Von zahlreichen Aussichtspunkten kann das Unheimliche
schaudernd betrachtet werden.
Der verbrannte Berg
Fährt man von Twyfelfontein 5 km zurück Richtung
Hauptstraße, dann nach rechts auf die Straße 3254,
so erreicht man nach weiteren 5 km den Verbrannten Berg, eine
landschaftliche Attraktion, die man sich keinesfalls entgehen
lassen sollte. Vulkanische Aktivitäten im Erdmittelalter
förderten hier Gestein in den Farben Schwarz, Violett und
Rot an die Erdoberfläche. Besonders im Abendlicht entsteht
dadurch der Eindruck, der Berg stehe in Flammen. An der Piste
zum Verbrannten Berg befindet sich eine weitere geologische Kuriosität:
die sog. Orgelpfeifen, die mit ihren bis zu 5 m hohen Basaltsäulen
einer überdimensionalen Kirchenorgel gleichen.
Der Versteinerte Wald
Das Museum der Vorgeschichte ist über die Schotterstraße
C39 in Richtung Torra Bay zu erreichen. Der ca. 42 km lange Weg
von Khorixas aus lohnt sich, führt er doch in ein geologisches
Zeitalter ganz besonderer Art. Bis zu 30 m lange Baumriesen liegen
auf dem ca. 60 ha großen Gelände, vermutlich Reste
eines 300 Mio. Jahre alten Waldes aus dem Erdaltertum. Eine dichte
Sandabdeckung verhinderte das Vermodern des Holzes, Kieselsäure
konservierte Zelle für Zelle. Später wurde der mittlerweile
versteinerte Wald auf natürliche Weise freigelegt. Er gilt
heute als eines der interessantesten erdgeschichtlichen Dokumente
und wurde inzwischen zum Nationaldenkmal erklärt.
Vingerklip (Fingerklippe)
Hier leistete die Erosion ganze Arbeit. Die Vingerklip,
von Khorixas aus über die Straße C 39 zu erreichen,
ist der Rest eines Tafelbergs, das markante Ergebnis einer Arbeit
von rund 30 Millionen Jahren. Seinerzeit führte der Ugab
ungeheure Massen an Sand und Gestein mit sich. Sie füllten
die ganze Ebene, durch die sich dann der Fluß sein Bett
neu grub. Die erodierenden Prozesse veränderten die Landschaft
immer wieder, nur die 35 m hohe Sandsteinsäule mit einem
Umfang von 44 m, etwa 15 Millionen Jahre alt, blieb als Rudiment
dieser unermüdlichen geologischen Arbeit zurück. Sie
besteht aus verbackenem Flußschotter, aus zusammengepreßtem
Geröll, in Jahrmillionen verleimt. Warum, das bleibt ein
Geheimnis der Natur. Der Abstecher zur der Felsstatue
in den großartigen Ugab-Terrassen ist ein Muss.
Der Waterberg
Der Waterberg (rund 1900 Meter ü. M.) ragt wie eine
Festung aus der Hochebene Zentralnamibias empor: Auf 48 km Länge
erheben sich bis 30 m hohe senkrechte Felswände, schroffe,
rote Sandsteinfelsen, am Fuß von üppiger Vegetation
bedeckt. Sie bilden einen auffallenden Kontrast zum kargen Buschland
der Umgebung.
Auf dem Waterberg befindet sich ein riesiges 8 bis 16 Km
breites Plateau. Es besteht aus 180 - 200 Mio. Jahre altem Etjo-
Sandstein, der wie ein Schwamm wirkt, so dass die wasserarme Oberfläche
des Plateaus von trockener Baumsavanne und Buschvegetation bedeckt
ist. Am Fuß des Waterbergs staut sich das Regenwasser auf
tonhaltigem Gestein, tritt in Quellenform aus und bewirkt den
grünen Pflanzensaum. Diesen Quellen verdankt der Waterberg
seinen Namen.
Das Waterberg-Plateau ist seit 1972 Naturschutzpark. Es
gibt zwei Zugänge. Zunächst erreichen Besucher das Bernabé-de-la-Bat-Rastlager.
Knapp 15 km weiter gelangen sie zum Onjoko-Eingang, wo sich auch
die Parkverwaltung befindet. Das Plateau darf nur in Begleitung
von Wildhütern oder als Gruppe mit mindestens drei Personen
besucht werden.
DAS NAMIBGEBIET
Am südlichen Wendekreis zwischen 15 und 30 Grad südlicher
Breite zieht sich die älteste Wüste der Erde, die Namib,
in einem Gürtel von durchschnittlich 200 Km Breite am Atlantik
entlang. Die Ursprünge dieses öden Landes
- wie Namib in der Sprache der Namas heißt - liegen über
2 Milliarden Jahre zurück. Ein Teil dieser Wüste, die
Dünennamib zwischen Lüderitz und Swakopmund, präsentiert
sich so, wie sich die meisten Menschen die Wüste vorstellen.
Im Norden ist sie eher steinig, teilweise auch felsig.
Die Namib gehört zu den trockensten Gebieten der Erde.
Tonnen von Sand werden unaufhörlich umgewälzt. Wirbelstürme
bringen sandige Massen zum Kreiseln - ein Ringelreihen von Milliarden
von Staubpartikeln und Sandkörnern. Dazwischen die Farben
der Wüste, von dunkelstem Braun bis zu grellstem Gelb. Bizarr
hauptsächlich dort, wo Schatten auftreten. Das vollkommen
menschenleere Gebiet und das landeinwärts sich anschliessende,
wild zerklüftete Hochplateau der Naukluft bilden zusammen
den 50 000 km² großen Namib-Naukluft­Park.
Der Namib-Naukluft-Park
Massentourismus wird es im größten Nationalpark
des Landes nie geben. Der Naturschutzpark ist ein Land für
Besucher, die sich vor allem an Einsamkeit
und Weite erfreuen können. Rote Dünen, gelbe Ebenen,
spärliche grüne Grasbüschel, aber auch Felsen und
Canyons charakterisieren diese Landschaft..
Interessant speziell für Geologen sind die Hamiltonberge,
Kalksteinhügel von 300 bis 600 m Höhe. Nach den äußerst
seltenen Regenfällen überziehen sich die kargen Hänge
übrigens mit einem Teppich aus Stipagrostisgras und weißen
Lilien.
Ebenfalls nennenswert ist der Vogelfederberg, eine abgerundete
Granitkuppe, die jedoch im Gegensatz zu den Hamiltonbergen wesentlich
glatter und pflanzenärmer ist.
Im Namib-Naukluft-Park gibt es sogar einen Fluss, den Kuiseb,
der sich mit stattlicher Breite durch die Wüste zieht. Allerdings
ist sein Bett fast immer ausgetrocknet. Er besitzt keine richtige
Mündung, sondern sickert in unterir­dischen Rinnsalen
unter den Dünen hindurch in den Ozean. In Dürrezeiten
- also fast immer - bleibt der mächtige Wasserlauf buchstäblich
im Sand ste­cken. Der Reisende bekommt den Fluss nur als blaue
Linie auf der Landkarte zu sehen. Doch er hat tiefe Spuren hinterlassen:
in Form des Kuiseb Canyons (6 km abseits der Straße C14,
auf einer schmalen Sand­straße zu erreichen). Harte
Geteinsarten, wie Damaraschiefer und Kalkstein, bilden die wildzerklüfteten
Wände der tiefen Schlucht.
Ein grandioser Ausblick über den Namib-Naukluft-Park bietet
sich vom 2334 m hohen Gamsberg Pass. Gut zu erkennen sind die
Schluchten, die wie überdimensionale Treppen in das Innere
des ca. 1900 m hohen Naukluft-Gebirges führen.
Der Skelettküstenpark
Ein steifer Westwind bläst gegen eine Mondlandschaft
aus endlosen Sanddünen, Felsen und Bergen. Der für Besucher
nur teilweise zugängliche, abgeschiedene Naturpark erstreckt
sich über mehr als 60 000 km² zwischen der Ugab-Mündung
im Süden und dem Kunene-Fluss im Norden. Er offenbart großartige
Landschaftserlebnisse, die jeden Reisenden unvergessliche Eindrücke
mit nach Hause nehmen lässt. Die Landschaft er­scheint
rätselhaft, mit dicken Nebelschwaden, großen Kiesflächen
und unwirklich erscheinenden Luft­piegelungen. Zahlreiche
Schiffswracks und verlassene Minen unterstreichen die geisterhafte
Atmosphäre. Die bizarre Schönheit zieht jedoch jeden
Besucher völlig in ihren Bann. Die rauhe Wüste ist ökologisch
höchst sensibel. Die Berge sind reich an Mineralien, zuweilen
tragen sie eine feine Kruste aus Achat und Rosenquarz, Amethyst,
Bergkristall, Topas und Granat.
Der südliche Teil des Skelettküstenparks ist
nur mit Erlaubnis des Ministeriums für Umwelt und Tourismus
zu durchfahren oder mit einer Buchungsbestätigung der Orte
Terrace Bay oder Torra Bay. Der nördliche Teil des Parks
kann nur mit einer Flugsafari besichtigt werden.
Sossusvlei
Dieses Naturschauspiel sollten Sie sich nicht entgehen
lassen! Sossusvlei ist eine riesige, nur zeitweise mit Wasser
gefüllte Lehmbodensenke mit oasenartigem Charakter - umgeben
von den höchsten Dünen der Welt. Eine Sand­piste
führt entlang eines Trockenbettes durch eine einzigartige
Landschaft mit gelben, orangefarbenen, ja fast roten Dünenriesen,
vom Wind geformt.
Die letzten Kilometer bis zum Sossusvlei kann man nur mit
einem Allradfahrzeug bewältigen ( oder zu Fuß in 60
- 90 Min.). Sossusvlei ist übrigens nur dann mit Wasser gefüllt,
wenn der Tsauchab-Fluss, dessen Auffanggebiet in den Naukluft-Bergen
liegt, extrem viel Wasser führt und die östlich des
Vleis liegenden Sandbarrieren durchdringen kann. Das Wasser füllt
dann die Senke aus und bildet einen See mitten in der Wüste.
Das Tor zum Sossusvlei ist Sesriem. Von dort lohnt sich
übrigens ebenfalls ein Besuch des Sesriem-Canyons. Hier hat
sich der Tsauchab eine 2-5 m breite und 30 m tiefe Klamm gegraben.
Früher mussten die Fuhrleute sechs Ochsenriemen zusammenbinden,
um an das Wasser zu gelangen - daher der Name Sesriem.
DER SÜDEN NAMIBIAS
Steil erhebt sich an der wildzerklüfteten Küste
das Land aus dem Meer. Granit und Schiefer, nur an wenigen Stellen
sandbedeckt, kennzeichnen große Gebiete des Küstenstreifens.
Der anschließende Landgürtel ist 40 km breit und geprägt
von den gleitenden Linien der Treibsanddünen. 50 km von der
Küste entfernt liegt das Land schon 700 m über dem Meeresspiegel.
Dort beginnt die öde Stein- und Geröllwüste, die
nach 80 km an der Randstufe des 1500 m hohen zentralen Hochplateaus
in Grassteppe übergeht. Der Süden ist ein Schauspiel
von Fels und Sand, Bergketten und grenzenloser Weite, Himmel und
Sonne, tobender Brandung und dröhnender Stille.
Der Fish River Canyon
Menschenleer, ohne Fußspuren, schön und grausam
zugleich - und 161 km lang. Das größte Naturwunder
Afrikas hat viel gemeinsam mit dem Grand Canyon Nordamerikas.
Er ist fast ebenso groß, gewaltig und erhaben und eines
der bizarrsten Gebilde der Erdkruste. Bis zu 549 m tief hat sich
der Fish River in die Gesteinsschichten eingegraben. Vor allem
in den Morgenstunden und am späten Nachmittag läßt
sich ein sinn­betörendes Farbspektrum genießen.
Vom Hauptaussichtspunkt ist einer der interessantesten Teile zu
sehen: die Höllenkurve (Hell Bend), das klassische
Beispiel eines gewundenen, sehr früh entstandenen Laufes.
Die verschiedenen geologischen Formationen sind deutlich
zu unterscheiden: Sandstein, Tonschiefer und Lavaablagerungen,
die bis zu 1800 Millionen Jahre alt sind, dazu Kalk, Kies und
Sandstein in bis zu zehn Meter dicken Schichten. Vor 500 Millionen
Jahren zersplitterte die Kruste der Nord-Süd-Richtung - so
entstand die Schlucht, vertieft durch weitere Risse. Vor Millionen
Jahren ein reißender Fluss, führt der Fish River heute
nur noch wenig Wasser. Zudem wird er am Hardap-Damm (bei Mariental)
gestaut. Nur in besonders regenreichen Jahren enthält der
Fish River auf seiner gesamten Länge Wasser. Eine 25 km lange
Aussichtsstraße führt am Ostrand entlang und bietet
einen einmaligen Blick über dieses atemberaubende und beeindruckende
Naturschauspiel.
Der Wanderweg durch den Canyon ist eine Herausforderung
für jeden sportlichen Wanderer. Der Weg beginnt am nördlichen
Aussichtspunkt, an dem sich auch das Rastlager Hobas befindet,
und führt über 90 Km bis zu den 60 ° C heißen
Quellen von Ai-Ais.
Diese beliebte Wanderung dauert vier bis fünf Tage, kann
jedoch aus klimatischen Gründen nur in den Wintermonaten
von Mai bis September unternommen werden. Für eine Genehmigung
ist ein ärztliches Attest über körperliche Tauglichkeit
vorzulegen.
Doch der atemberaubende Blick über die vom Canyon
zerschnittene Landschaft lässt alle nötigen Formalitäten
schnell wieder vergessen. Binnen kurzem nimmt die wilde, gigantische
Landschaft jeden Besucher gefangen.
Keetmanshoop
In der Nähe der Distrikthauptstadt liegt das wilde
Felsengewirr Spielplatz der Riesen (Giant`s Playground).
Das Geröllfeld wirkt unaufgeräumt, als hätten tatsächlich
Riesen Steinquader wie Bauklötze übereinandergeschichtet
und das Gelände fluchtartig verlassen. In Wirklichkeit war
die Erosion Gestalter dieser seltsamen Felsenwelt. Manche Führer
machen hier sogar Musik, indem sie mit kleinen Steinen auf den
großen Quadern trommeln. Denn jeder Stein ist ein gewaltiger
Resonanzkörper.
An der Hauptstraße zwischen Windhoek und Keetmanshoop
liegt der 650 m hohe Brukkaros, ein erloschener Vulkan. Die­ser
vegetationslose, schwarze, mit Lavagestein bedeckte Berg ist ebenfalls
eine geologische Rarität. Sein Krater hat einen Durchmesser
von 2000 m.
Lüderitz
Das Gebiet rund um Lüderitz steht für Diamantenrausch
und Wohlstand. Im Lüderitz-Museum ist die frühe Geschichte
des Gebiets dokumentiert. Gezeigt werden Steine aus den Diamantenminen.
Besonderheiten der Namib-Wüste und des Atlantiks sind ebenfalls
dargestellt. Lüderitz Safaris & Tours bietet übrigens
eine Fahrt durch das wildromantische Diamantensper­gebiet
von Oranjemund und die Besichtigung der Diamanten-Minen an.Herausgeber und Copyright