Ovamboland - Der unentdeckte Norden
Ein bisher wenig bekannter Landesteil stellt sich vor: Die
dicht besiedelten Regionen Ohangwena, Omusati, Oshana und Oshikoto.
Sie sind ebenso beeindruckend und doch erstaunlich anders
mit ihren flachen Landschaften, die von teichartigen Oshanas
durchwoben sind, um dann in die Etosha-Pfanne zu münden.
Zwischen Palmen, großen Marulabäumen und Cuca Shops
lässt sich in der bevölkerungsreichsten Region des Landes
das alltägliche namibische Leben auf ganz besondere Art und
Weise kennen lernen und erleben. Überall säumen traditionell
gebaute Hütten, zu Gehöften gruppiert, und riesigen
Mahangofelder den Weg.
Ohangwena , Omusati, Oshana und Oshikoto
Das ehemalige Owamboland ist in vier Regionen
aufgeteilt worden: Ohangwena, Omusati, Oshana, und Oshikoto. Dort
ist die Bevölkerungsdichte Namibias am größten.
Rund 700 000 Menschen, das heißt: die Hälfte der Namibier,
leben hier auf gut 56 000 km² hauptsächlich von Viehzucht,
Hirse und Gemüseanbau. Die fast lieblich anmutende, sanfte
Landschaft ist von Wasserläufen, Tümpeln, Teichen und
Seen durchzogen und während der Regenzeit sehr grün.
Die Region ist Überschwemmungsgebiet des südangolanischen
Flusses Kuvelai, dessen Wasser bis in die Etosha-Pfanne fließen
kann. Gehöfte, Dörfer und Siedlungen liegen daher etwas
erhöht zwischen den Wasserläufen, auf Inseln gewissermaßen.
Das Gebiet zwischen Ondangwa und Oshakati bildet das Zentrum der
Region und ist mit inzwischen mehr als 250 000 Menschen der am
dichtesten besiedelte Teil. In den beiden Orten befinden sich
Schulen, Behörden und Märkte.
Der Norden ist über eine Teerstraße (von Tsumeb nach
Ruacana) zu erreichen. Teerstraßen verbinden außerdem
Oshakati mit Oshikango, welches an der Grenze zu Angola liegt,
sowie Oshikuku mit Ongandjera (Okahao). Alle übrigen Wege
sind Schotter und Staubstraßen in ziemlich schlechtem Zustand.
Rinder und Ziegen stehen oft am Wegesrand.
Die Landschaft
Das Land ist nahezu flach, gegliedert durch oasenartig
zusammenstehende Makalani-Palmengruppen und einzelne Wildfeigenbäume.
Rinder- und Ziegenherden ziehen gemächlich durch die Ebene,
Esel stehen im Gras. Wilde Feigenbäume spenden Mensch und
Tier willkommenen Schatten. Während der Trockenzeit wird
das Land gelb bis ockerfarben, staubig und eher unwirtlich. Die
Menschen müssen dann oft kilometerweit zu den verbliebenen
Wasserstellen laufen.
Die Owambo
Mit mehr als einer halben Million Menschen sind die Owambo
die größte Bevölkerungsgruppe in Namibia. Sie
leben vielfach in den traditionellen Gehöften, die von bis
zu 3 m hohen Zäunen aus verwitterten Ästen umschlossen
sind. Oft scheint es, als würden diese Höfe ein Geheimnis
bergen. Von außen sieht man nur die spitzzulaufenden Palmdächer
der einzelnen Hütten. Tatsächlich befindet sich hinter
der Abschirmung eine eigene, klar gegliederte Welt, in der sich
das Leben nach alten, strengen Regeln abspielt. Die Häuseransammlung
innerhalb des Zaunes wirkt wie ein kleines Dorf, doch handelt
es sich um die Wohnstätte einer einzigen, wenn auch meist
sehr großen Familie. Männer und Frauen leben in getrennten
Bereichen.
Die Owambo sind bekannt für ihre wunderbaren Tontöpfe,
die von den Frauen geformt und in Erdöfen gebrannt werden.
Geflochtene Körbe und Schnitzereien aus den Makalani-Kernen
sind ebenso beliebte Souvenirs aus der Region.
Sehenswertes
Um den Norddistrikt kennenzulernen, sollte man sich mindestens
vier bis fünf Tage Zeit nehmen. Besonders touristische Attraktionen
wird man nicht auf Schritt und Tritt finden. Dafür hat man
hier die Chance, alltägliches namibisches Leben zu begreifen
und die Geschichte des Landes zu verstehen. Hotels und Restaurants
sind nur in Oshakati und Ondangwa zu finden und entsprechen meist
nicht den Anforderungen eines international gehobenen Tourismusstandards.
Olukonda National Monument
Das südlich von Ondangwa gelegene Denkmal ist eine
ehemalige finnische Missionsstation und eine der besonderen Sehenswürdigkeiten
der Region. Die Strohdachkirche aus dem Jahre 1889 und das Wohnhaus
der Missionare aus dem Jahre 1893 stehen unter Denkmalschutz.
Das Nakambale-Museum
Das Museum wurde im Mai 1995 auf dem Grundstück des
Olukonda National Monument eröffnet. Es ist Mitglied der
Museums Association of Namibia. Es dokumentiert die
Geschichte der Kirche und der Mission sowie die Kulturen des Nordens
- beides mit Respekt gegenüber der Vergangenheit und der
Gegenwart. Ein Besuch lohnt sich ganz besonders für denjenigen,
der mehr über die namibische Geschichte und Kultur wissen
möchte. Die Ausstellungen informieren über die Architektur
der Mission, die Entwicklung der Kirche und das tägliche
Missionsleben. Sie zeigen traditionelle Musikinstrumente, Schmuck,
Spielzeug und Haushaltsutensilien und schildern die Lebensweise
und die politische Geschichte der Stämme und Könige
des Nordens. Zum Museum gehört auch eine maßstabsgetreue
traditionelle Ndonga-Siedlung, ein Open-Air-Museum der besonderen
Art. Während der Besichtigung kann man traditionell zubereitete
Owambo-Gerichte probieren und dabei die häuslichen Aktivitäten
beobachten. Außerdem besteht die Möglichkeit, in einer
traditionellen Owambohütte unvergeßliche Nächte
inmitten der Natur zu erleben. Des Weiteren gibt es einen Campingplatz
sowie in der Nähe, in Oniipa, ein einfaches Gästehaus.
Vom Museum aus werden ebenfalls Touren zu weniger bekannten
Sehenswürdigkeiten organisiert. So zum Beispiel zum Lake
Oponono. Hier, südlich von Ondangwa, sieht man die Fischer
mit ihren Reusen im Wasser stehen, während am weißen
Strand die Netze getrocknet werden.
Der erste größere Ort an der Route nach Norden
ist Ondangwa, ein lebhaftes Städtchen mit Bars, kleinen Garküchen,
Tankstellen, Selbstbedienungsläden und einem traditionellen
Marktplatz. Auffallend ist das Nebeneinander von kärglichen
Trinkbuden, winzigen Häuschen und großen modernen Einkaufszentren.
Oshakati, nur eine halbe Autostunde weiter an der Straße
nach Nordwesten gelegen, ist der Sitz der Verwaltung der Oshana-Region.
Ebenfalls voller Gegensätze, zeigt es die derzeitigen Probleme
eines zu schnell gewachsenen Ortes, in dem keinerlei Städteplanung
betrieben wurde: Auf der einen Seite spontane, ungeplante Ansiedlungen,
in denen es oft an vielem fehlt Wasser, Strom, Schulen,
Arbeit -, auf der anderen Seite Prestigeobjekte, die zwar nach
westlicher Manier gebaut wurden, jedoch vollkommen an den kulturellen
Bedürfnissen der Menschen vorbeigegangen sind. Obwohl die
Spontansiedlungen wesentlich unzureichender sind,
knüpfen sie doch in mancher Hinsicht eher an das traditionelle
Wohnverständnis an. So kommen sie etwa mit ihren Cuca-Shops
dem Kommunikationsbedürfnis der Menschen entgegen. Cuca-Shops
sind kleine Garküchen, in denen für die Familien, aber
auch zahlende Gäste gekocht wird.
Banken und eine kleine Auswahl an Unterkünfte für Touristen
findet man ebenfalls in Oshakati.
Sehr empfehlenswert ist ein Abstecher von Oshakati aus
zu den Ruacana-Fällen. Auf dem Weg dorthin begegnet man rechts
und links, etwas abseits der Hauptstraße, kleinen verschlafenen
Ortschaften inmitten einer typischen Oshana-Landschaft. Sie ist
flach, baumlos und manchmal staubtrocken - kaum vorstellbar, dass
hier vor 150 Jahren noch dichter Wald stand. Er fiel der Urbarmachung
zum Opfer fiel. 50 km hinter Oshakati tauchen am Horizont tiefgestaffelte
Hügelketten auf. Mit dem allmählichen Anstieg des Geländes
ändert sich die Vegetation: Zunächst erscheinen einzelne
Mopane-Bäume, später steht dichter Mischwald links und
rechts der Serpentinen.
Von der Passhöhe bietet sich ein überwältigender
Blick auf den tief unten liegenden Kunene-Fluss mit seinen Stauseen.
Zusammen mit dem Ruacana-Wasserfall gehören sie zum größten
namibischen Stromerzeugungsprojekt, das 1970 von der Republik
Südafrika gemeinsam mit dem damals noch portugiesischen Angola
begonnen wurde.
Leider hat der Neubau eines zweiten Kraftwerkes unmittelbar
am Wasserfall der Landschaft den ursprünglichen Reiz ein
wenig genommen, zumal der Kunene allein noch bei Hochwasser (und
dann nur zweimal täglich) etwa 123 m in die Tiefe stürzt,
ansonsten jedoch komplett durch die Turbinen geleitet wird. Zum
Besuch der Aussichtsplattform im Niemandsland zwischen Namibia
und Angola muss man den namibischen Grenzposten passieren.
Töpferkunst in Oshana
In Oshiko, zehn Kilometer außerhalb von Oshakati,
liegt das Oshana-Kunst­Zentrum (Oshana Environment and Art
Association). Dort haben die einheimischen Töpferinnen einen
Absatzmarkt für ihre Kunst gefunden. Und die kann sich sehen
lassen. Obwohl die Frauen im Norden nicht mit Glasur arbeiten,
sondern - wie seit Jahrhunderten - traditionell mit Kuhmist in
der Erde brennen und ihre Töpfe auf Dauer nicht hundertprozentig
wasserdicht sind, haben ihre Formen und Farben eine Schönheit
und Wärme, die sie sehr dekorativ macht.
Öffnungszeiten:
Mo./Di. 10:00 - 16:00
Fr./Sa. 10:00 - 16:00
Kleine Verkaufsstände findet man überall im Norden
am Straßenrand.
Gesundheit
Krankenhaus in Ondangwa:
Tel. 065/240305
Krankenhaus in Oshakati:
Tel. 065/ 220211
Impfungen sind nicht erforderlich, aber im Norden kann es während
der Sommermonate (Dezember - April) zu Malaria kommen. Malaria
kann eine lebensgefährliche Krankheit sein, wenn sie nicht
umgehend behandelt wird. Symptome sind Schüttelfrost, hohes
Fieber, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und starker Durst
- ähnlich wie bei einer Grippe. Reisende sollten daher zu
einer Malaria-Prophylaxe greifen. Bei der Auswahl des Medikaments
berät Sie Ihr Hausarzt. Des Weiteren bitten wir Sie, das
Gesundheitsamt und das nächste Tropeninstitut zu kontaktieren.
Weitere Schutzmaßnahmen:
- Mückenspray für den Körper
- Insektenspray für den Raum
- Räucherspiralen für den Raum
- Hemden mit langen Ärmeln und lange Hosen, speziell für
abends bei Dunkel-
heit und draußen
- evtl. Moskitonetz für das Bettlager, falls
in der Unterkunft nicht vorhanden
Diese Auskunft ersetzt nicht die Information Ihres Arztes oder
einer adäquaten Informationsstelle. Wenn Sie jedoch obigen
Richtlinien Beachtung schenken, ist die Gefahr einer Malariainfektion
minimal, und Sie können Ihre Reise durch Namibia genießen.
Flüge
Ab Windhoek - Airport Eros nach Ondangwa.
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